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Deutsche Börse-News: "Themen-ETFs: flammende Fantasie, verbrannte Rendite"

05.10.2026 - 17:21:02
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - "Themen-ETFs: flammende Fantasie, Rendite zumeist auch schon verbrannt"

Künstliche Intelligenz, Rüstung, Wasserstoff: Themen-ETFs versprechen Zugang zu den großen Trends. Eine Auswertung von 230 Themenprodukten zeigt, wie selten sich das zusätzliche Risiko gelohnt hat. Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer des Beratungshauses envestor, erklärt, worauf Anleger achten sollten.

5. Oktober 2026. FRANKFURT (envestor). Den einen ETF-Markt gibt es nicht mehr. Auf der einen Seite stehen die Klassiker: ETFs auf den DAX, den S&P 500 oder den MSCI World, breit gestreut, kostengünstig und für nahezu jeden Anleger geeignet. Auf der anderen Seite stehen Themen-ETFs auf Quantencomputer, Drohnen oder Wasserstoff. Sie sind komplexe Produkte für fortgeschrittene Anleger und haben sich weit von der ursprünglichen ETF-Idee entfernt: einfach, transparent, flexibel. (Auch die Flexibilität hat eine Kehrseite. Tausende Intraday-Kurse verleiten eher zum Handeln als ein Fonds, der einmal täglich zum Nettoinventarwert abgerechnet wird. Hin und her macht Taschen leer, aber das ist ein anderes Thema.)

Dass ETFs immer komplexer werden, liegt auch in der Natur des Geschäfts. Anbieter sind gewinnorientierte Unternehmen. Ein MSCI-World-ETF kostet 0,20 Prozent im Jahr oder weniger, Themen-ETFs kosten im Schnitt 0,52 Prozent. Themen-ETFs machen also zumindest einen Akteur happy: den ETF-Anbieter. Und wie steht es mit den Anlegern?

Gut zwei Drittel liegen hinter dem Weltindex

In einer Auswertung für die Börse Frankfurt habe ich 230 Themen-ETFs und -ETPs zunächst mit Standard-ETFs auf den MSCI World, den Nasdaq 100, den MSCI Europe und die Schwellenländer verglichen, jeweils über exakt dieselben Jahre seit Auflage. Die 129 Produkte mit mindestens drei vollen Jahren Historie brachten im Schnitt 9,3 Prozent pro Jahr, der MSCI World im selben Zeitraum 15,3 Prozent. Nur 29 Prozent schlugen den Weltindex, nur 12 Prozent den Nasdaq 100.

Je länger ein Themen-ETF am Markt ist, desto schlechter die relative Bilanz: Bei ETFs mit ein bis zwei vollen Jahren liegen noch 46 Prozent vor dem MSCI World, bei acht bis elf Jahren nur noch ein Viertel. Auch die 84 Technologie-Themen-ETFs enttäuschen. Sie erreichten über mindestens drei Jahre zwar die Rendite des MSCI World, der Nasdaq 100 lag aber um sieben Prozentpunkte pro Jahr vorn. Nur jeder fünfte Tech-Themen-ETF hat ihn geschlagen.

Auch gegen den eigenen Maßstab schwach

Wer den Vergleich von Themen-ETFs mit Standard-ETFs für zu grob hält, sei beruhigt: Ich habe die Produkte in einem zweiten Schritt auch mit ihren Morningstar-Kategorie-Indizes verglichen. Hier liegen Themen-ETFs über drei Jahre im Schnitt um 3,5 Prozentpunkte jährlich zurück, über fünf Jahre sogar um 10,2 Prozentpunkte. Nur 5 von 46 Fonds liegen über fünf Jahre vorn, bei den Technologie-Themen-ETFs keiner von 22. Beim Morningstar-Sterne-Rating, einem Ranking der risikoadjustierten Rendite innerhalb einer Vergleichsgruppe, erhalten 45 Prozent der bewerteten Themen-ETFs ein oder zwei Sterne. Per Konstruktion des beliebten quantitativen Ratings wäre eine Quote von 32,5 Prozent an unterdurchschnittlichen und schwachen ETFs zu erwarten gewesen. Indes halten drei der vier zur Illustration verwendeten Standard-ETFs das bestmögliche Rating von fünf Sternen.

Das Timing-Problem

Woran hat die schwache Performance gelegen? Nun, jedes Thema hat einen Zyklus, und ein Thema ist an der Börse dann ein Thema, wenn alle erkannt haben, dass es eines ist. Dann sind die Kurse schon weit vorausgeeilt. Neuauflagen werden oft in einen stark haussierenden Markt lanciert. Nach dem Boomjahr 2020 brachten die Anbieter 2021 und 2022 insgesamt 69 Themenprodukte auf den Markt, viele davon auf Metaverse, Blockchain und Wasserstoff. Der Jahrgang 2021 liegt seither 11,3 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem MSCI World.

Ein aktuelles Lehrstück ist ein Thema, das seit 2022 in aller Munde ist: Rüstung. Der VanEck Defense ETF (Auflage März 2023) brachte seitdem 33,9 Prozent pro Jahr. Hier stimmte das Timing. Doch nach der fortdauernden Rally folgten allein im Jahr 2025 vierzehn neue Rüstungsprodukte. Das war spät. Zu spät? In den vergangenen zwölf Monaten verloren etliche dieser Produkte deutlich: Der WisdomTree Europe Defence ETF, inzwischen 4,3 Milliarden Euro schwer, gab um 9,4 Prozent nach, der iShares Europe Defence ETF um 10,3 Prozent, der Global X Europe Focused Defence Tech ETF sogar um 18,3 Prozent. Indes legte der MSCI World um 19,7 Prozent zu.

Wenn das Thema nicht trägt

Schlimmstenfalls erweist sich ein Thema als Luftnummer. Früher waren es Nanotechnologie-Fonds, heute zähle ich Wasserstoff-ETFs dazu. Der VanEck Hydrogen Economy ETF verlor seit 2021 im Schnitt 14,1 Prozent pro Jahr, zwischenzeitlich lag er 77 Prozent unter seinem Hoch. Der iShares Global Clean Energy Transition ETF liegt nach 19 Jahren mit 2,8 Prozent jährlich im Minus. Ein gutes Thema für die Gesellschaft ist nicht automatisch ein gutes Investment.

Die Frage der Reinheit

Entscheidend ist auch, wie streng ein Index das Thema definiert, das ein ETF abbildet. Ob ein Unternehmen 30, 50 oder 80 Prozent seines Umsatzes mit dem Thema erzielen muss, macht einen gewaltigen Unterschied, auch für die künftige Rendite. Unter Blockchain-ETFs mit mindestens drei Jahren Historie reichen die jährlichen Renditen von minus 2,2 bis plus 31,7 Prozent. Das Etikett sagt wenig, Anleger müssen die Indexregeln lesen - und verstehen.

Mehr Risiko, weniger Streuung

Zur Abrundung eine kleine Statistik zum Risiko: Themen-ETFs schwanken doppelt so stark wie der MSCI World und halten im Mittel nur 49 Aktien; fast ein Viertel des Portfolios entfällt auf Neben- und Kleinstwerte. Hinzu kommt das Schließungsrisiko: 108 von 222 Produkten verwalten weniger als 50 Millionen Euro. ETF-Anbieter brauchen angesichts relativ niedriger Gebühren hohe Volumina, sonst können ETFs schneller geschlossen werden, als man "Thema" sagen kann. Apropos geschlossene ETFs: Die Auswertung umfasst der Einfachheit halber nur bestehende ETFs und lässt somit die gut 70 liquidierten Themen-ETFs außen vor. Das "echte" Performance-Bild von Themen-ETFs dürfte also noch schlechter ausfallen, als es die Performance- und Risikodaten dieser Auswertung zeigen.

Fazit: Beimischung und Gefühl für Märkte gefragt

Es gibt Gewinner: Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data ETF brachte über sieben Jahre 23,7 Prozent jährlich, der MSCI World 13,3 Prozent. Positive Fünfjahresbilanzen gegen den Kategorie-Index erzielten jedoch ausnahmslos unspektakuläre Themen wie Wasser oder alternde Bevölkerung. Wer Themen-ETFs beimischt, sollte fragen: Wie viel des Themas steckt schon in den Kursen? Wie rein ist der Index? Ist der Fonds groß genug? Und verkraftet das Depot einen Verlust von 50 Prozent in dieser Position? Für die meisten Anleger bleiben breit aufgestellte, günstige ETFs die beste Wahl.

Von Ali Masarwah, 5. Oktober 2026, © envestor.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


Quelle: dpa-AFX
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