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ROUNDUP: EZB hält Zinsen trotz Ölpreisschock und Inflation stabil

30.04.2026 - 14:33:37
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Leitzinsen im Euroraum bleiben trotz Ölpreisschock und steigender Inflation infolge des Iran-Kriegs vorerst unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum siebten Mal in Folge die Zinsen im Euroraum nicht an.

Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Kriegsfolgen zu beurteilen. "Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken", erklärten die Euro-Währungshüter.

Schon im März und April hat der Ölpreisschock durch den Krieg im Nahen Osten die Teuerung im Währungsraum kräftig nach oben getrieben. Ökonomen fürchten, dass die gestiegenen Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft überspringen und viele Waren und Dienstleistungen teurer werden.

An den Finanzmärkten werden bis Jahresende drei Leitzinserhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte erwartet. Mit höheren Leitzinsen kann die EZB gegensteuern: Dies würde Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann. Sparerinnen und Sparer würden zugleich von steigenden Zinsen profitieren.

Inflation sprunghaft gestiegen

Im April lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat um 3,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Schon im März war die Inflationsrate mit 2,6 Prozent deutlich erhöht.

Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerung von 2,0 Prozent im Euroraum an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr oberstes Ziel erreicht, für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu sichern.

Sparzinsen ziehen an

Mit neuen Inflationsängsten und der Erwartung steigender Leitzinsen sind auch die Sparzinsen gestiegen. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Festgeldzinsen so stark geklettert wie seit 2023 nicht mehr, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergab.

Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen demnach im Schnitt bei 2,25 Prozent. Das seien 0,18 Prozentpunkte mehr als zu Kriegsbeginn und der höchste Stand seit Anfang 2025. Bei fünfjährigem Festgeld gebe es im Mittel 2,37 Prozent. Die Kehrseite: Die Inflation in Deutschland lag zuletzt noch höher bei 2,9 Prozent, Sparer verlieren also unterm Strich Geld.

"Beim Festgeld ist die Zinswende schon angekommen", sagt Timo Halbe vom Geldratgeber Finanztip. "Das deutet darauf hin, dass Banken sich auf ein länger höheres Zinsniveau einstellen."

EZB in der Zwickmühle

Wie es mit der Geldpolitik der EZB weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Iran-Konflikt dauert und ob es bei einem zeitlich befristeten Energiepreisschock bleibt oder die jüngste Teuerungswelle die komplette Wirtschaft erfasst. Noch besteht Hoffnung, dass sich die USA und der Iran am Verhandlungstisch einigen.

Schon jetzt trübt der Krieg die Konjunkturaussichten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent wachsen wird. Für Europas größte Volkswirtschaft Deutschland sieht es mit 0,8 Prozent noch schlechter aus. Im ersten Quartal gab es für die Wirtschaft im Euroraum laut Eurostat ein Mini-Wachstum von gerade einmal 0,1 Prozent.

Höhere Zinsen würden Investitionen für Unternehmen verteuern. Die EZB steckt also in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudämmen, läuft die Notenbank Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Im schlimmsten Fall droht Stagflation: Wirtschaftsflaute bei zugleich deutlich steigenden Preisen.

Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg

Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die Notenbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch. Mit der Energiekrise stiegen auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland. Die damaligen Preiserhöhungen wirken bis heute nach./ben/als/DP/jsl


Quelle: dpa-AFX
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