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ROUNDUP: AOK zählt mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen

08.10.2026 - 15:04:07
BERLIN (dpa-AFX) - Psychische Erkrankungen sorgen nach einer Auswertung der AOK für immer mehr Fehltage im Beruf - vor allem, weil Beschäftigte dann oft lange ausfallen. Binnen zehn Jahren stieg die Zahl der dadurch verursachten Arbeitsunfähigkeitstage bei AOK-Versicherten um knapp 42 Prozent. Insgesamt gingen die Fehlzeiten zuletzt allerdings leicht zurück.

Nach dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) kamen 2025 auf 100 Mitglieder 403 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, 2016 waren es noch 284. Ausgewertet wurden Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten.

Atemwegserkrankungen führen zwar deutlich häufiger zu Krankmeldungen. Die Ausfälle sind aber meist viel kürzer: Bei psychischen Erkrankungen fehlten Beschäftigte 2025 im Schnitt 28,5 Tage je Fall, bei Atemwegserkrankungen 5,7 Tage.

Wo psychische Fehlzeiten besonders häufig sind

Besonders häufig wurden psychisch bedingte Krankmeldungen im Dialogmarketing registriert, dazu gehören etwa Angestellte in Callcentern. Dahinter folgten dem Report zufolge Beschäftigte in der Haus- und Familienpflege sowie in der Altenpflege. Auch Berufe in der Kinderbetreuung lagen weit vorn.

"In diesen Berufen wirken mehrere psychosoziale Belastungsfaktoren, die sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken", sagt die Leipziger Sozialmedizinerin Steffi Riedel-Heller. Sie nennt unter anderem hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum.

Auch wirtschaftliche Sorgen können belasten. Beschäftigte mit Sorgen um ihre finanzielle Lage oder Angst vor Arbeitslosigkeit berichteten in einer Befragung für den Report häufiger von Niedergeschlagenheit, Wut oder Erschöpfung. WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder hält es für möglich, dass sich solche Belastungen bei einer angespannten Wirtschaftslage verstärken.

Insgesamt zuletzt etwas weniger Fehltage

Über alle Erkrankungen hinweg gingen die Fehlzeiten zuletzt etwas zurück. Nach AOK-Angaben waren 2025 im Schnitt 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Mitglied zu verzeichnen, nach jeweils 23,9 Tagen in den beiden Jahren zuvor. Auch im ersten Halbjahr 2026 lagen die erfassten Fehltage laut WIdO unter dem Vorjahresniveau.

Dass die gemeldeten Fehlzeiten langfristig höher liegen als früher, hat nach Einschätzung Schröders mehrere Gründe. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung habe zu einer "vollständigeren Erfassung der Krankmeldungen" beigetragen. Hinzu kämen etwa mehr Atemwegserkrankungen seit der Corona-Pandemie und die steigenden Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen.

Nach Angaben der AOK zeigt sich die Entwicklung auch beim Krankengeld. Bei psychischen Erkrankungen stiegen die Ausgaben zwischen 2021 und 2025 um 54 Prozent. AOK-Vorstandschefin Carola Reimann sagt, dass der Anstieg zugleich auch mit einer höheren Erwerbsquote und mit gestiegenen Löhnen zu tun habe. "Aber auch die Fallzahlen und insbesondere die Dauer je Fall steigen. Hierbei sind die psychischen Erkrankungen ein wichtiger Faktor", so Reimann.

Was die Zahlen nicht zeigen

Steigende psychisch bedingte Fehlzeiten bedeuteten nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen in der Bevölkerung im gleichen Umfang zugenommen haben, betont Riedel-Heller. "Psychische Erkrankungen werden heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf reale Zunahmen psychischer Belastungen und einzelner Störungen, insbesondere bei jüngeren Menschen."

Arbeit könne dabei nicht nur belasten. "Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit", sagt Riedel-Heller. Wenn psychisch bedingte Fehlzeiten verringert werden sollen, komme es deshalb auch auf die Arbeitsbedingungen und frühe Unterstützung an./bro/sam/DP/mis


Quelle: dpa-AFX
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