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dpa-AFX: ROUNDUP: Verbraucherschützer für 'Neustart' bei Regeln für Wertpapiergeschäfte

26.03.2019 - 06:50:03
FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die wachsende Zahl von Vorschriften für die
Beratung von Bankkunden bei Wertpapiergeschäften ist aus Sicht von
Verbraucherschützer wenig hilfreich - im Gegenteil. "Der geltende Rechtsrahmen
ist zu wenig an den Bedürfnissen der Verbraucher ausgerichtet", kritisierte
Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). "Wir brauchen nicht
mehr Vorschriften, sondern andere", mahnte Mohn. Sie bekräftigte die Forderung
nach einem Verbot von Provisionen beim Verkauf von Bankprodukten.

Bei der Provisionsberatung verdient die Bank Geld, wenn der Kunde sich etwa
für den Kauf von Fondsanteilen entscheidet und dabei ein Ausgabeaufschlag fällig
wird. Aus Sicht von Verbraucherschützern entsteht dadurch ein
Interessenkonflikt, der zur Empfehlung teurer oder unpassender Anlagen führen
kann. Bei der Honorarberatung würde der Kunde dagegen für die Beratungsleistung
an sich zahlen - auch wenn er sich am Ende gegen einen Abschluss entscheidet.

"Die Politik versucht mit viel Regulatorik den Interessenskonflikt der
Institute in den Griff zu bekommen, der durch die Provisionen entsteht. Das ist
wenig hilfreich, weil es schlicht nicht funktioniert", sagte die Leiterin des
vzbv-Finanzmarktteams der Deutschen Presse-Agentur.

Seit Januar 2018 greift die EU-Richtlinie Mifid II. Seither müssen Banken
jedes Telefonat eines Kunden mit einem Wertpapierberater aufzeichnen und für
mindestens fünf Jahre archivieren. Bei Rechtsstreitigkeiten soll sich so
leichter nachvollziehen lassen, ob ausreichend über Risiken aufgeklärt wurde.
Zudem müssen Kunden vor der Entscheidung für ein Finanzprodukt eine genaue
Aufstellung erhalten, wie viel sie das Produkt kostet.

Deutschlands Bankenverbände hatten jüngst eine Überarbeitung der Regeln
gefordert. Viele Kunden fühlten sich durch die Fülle an Informationen
überfordert und verunsichert, etliche hielten sich bei Wertpapiergeschäften
zurück, so das Ergebnis einer Studie der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), in der
die fünf großen Bankenverbände organisiert sind.

Zwar haben die Verbraucherschützer Zweifel an der Methodik der Studie, aber
auch nach ihrer Einschätzung sorgen die Regeln für unnötige Bürokratie und
Kosten. Die Schlussfolgerung, die Informationspflichten abzuschaffen, wäre
allerdings ein Rückschritt, warnte Mohn. "Notwendig ist ein Neustart: Wir
brauchen klare und anwendbare Regeln, die Verbrauchern gute Beratung
garantieren", forderte sie./mar/DP/stk
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