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dpa-AFX: ROUNDUP 2/Weitere Probleme: US-Behörde fand mögliches Risiko bei Boeing 737 Max

27.06.2019 - 11:39:53
WASHINGTON/CHICAGO (dpa-AFX) - Dem US-Luftfahrtkonzern Boeing
droht eine weitere Verschiebung des Flugverbots für seine Flugzeuge der Baureihe
737 Max. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat nach eigenen Angaben bei den
Unglücksjets ein mögliches Risiko gefunden, das zunächst behoben werden müsse.
Konkretere Angaben machte die Behörde am Mittwoch (Ortszeit) in Washington
zunächst nicht. Boeing erklärte, dass die FAA beim Wiederzulassungsprozess der
737 Max zusätzliche Anforderungen stelle und das Unternehmen den Flugzeugtyp
erst zur Zertifizierung anbieten werde, wenn diese erfüllt seien. Zudem droht
dem US-Konzern neuer rechtlicher Ärger durch eine Pilotenklage.

In Branchenkreisen kommen die jüngsten Nachrichten allerdings nicht
unerwartet. "Wichtig ist der FAA-Testflug Mitte Juli", erklärte ein
Tuifly-Sprecher, der im Rahmen des Zulassungsprozesses auch weitere derartige
Informationen nicht ausschließt. Der weltgrößte Reisekonzern Tui
aus Hannover ist einer der Großkunden für die Jets.

Die Mittelstreckenflugzeuge der 737-Max-Serie müssen nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März am Boden bleiben. Eine umstrittene
Boeing-Steuerungssoftware steht nach ersten Erkenntnissen als mögliche
Unglücksursache im Verdacht. Ob das nun von der FAA identifizierte Problem im
Zusammenhang damit steht, blieb in der Behördenmitteilung unklar. Boeing zufolge
geht es um Auflagen, die im Rahmen der seit Monaten laufenden
Software-Aktualisierung erfüllt werden sollen. Der Konzern sei mit den neuen
Anforderungen der FAA einverstanden und arbeite daran, sie zu erfüllen.

Zuletzt war bereits vermutet worden, dass sich das Prüfverfahren noch Monate hinziehen könnte. Für Boeing und die betroffenen Airlines ist der Flugstopp eine
starke finanzielle Belastung, wie bereits die Geschäftsberichte für das erste
Quartal zeigten. Boeing selbst steht in der Kritik - auch wegen des Vorwurfs,
die Entwicklung des neuen Flugzeugmodells wegen hohen Konkurrenzdrucks
überstürzt zu haben. Die Boeing 737 Max ist die Neuauflage der seit den 1960er
Jahren gebauten erfolgreichen 737-Reihe.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg ging zuletzt auf der Luftfahrtmesse in Le
Bourget bei Paris davon aus, dass die Flugfreigabe noch in diesem Jahr erfolgen
wird. Dort hatte der Mutterkonzern von British Airways, die International
Airlines Group (IAG), überraschend eine Absichtserklärung für
eine Großbestellung über 200 Maschinen dieses Typs in Aussicht gestellt.

Ob bei der ursprünglichen Zertifizierung der Boeing 737 Max alles mit
rechten Dingen zuging, ist zudem Gegenstand einer Untersuchung der US-Behörden.
Im Zuge der Aufklärung der Abstürze am 29. Oktober 2018 in Indonesien und am 10.
März in Äthiopien räumte Boeing auch ein, bereits rund ein Jahr vor dem ersten
Unglück von einem Problem der 737 Max gewusst zu haben. Obwohl bereits einige
Monate nach Auslieferungsbeginn der Baureihe im Mai 2017 festgestellt wurde,
dass etwas mit dem Warnsystem in den Cockpits nicht stimmte, wurde die FAA erst
nach dem ersten Absturz im Herbst vergangenen Jahres informiert.

Ein Pilot hat das Unternehmen aufgrund der Unglücke und den danach
verhängten Startverboten für die betroffenen Maschinen vom Typ 737 Max wegen
finanzieller und weiterer Schäden verklagt. Der Rechtsstreit ist nach Angaben
seiner Anwälte als Sammelklage angelegt, der sich mehr als 400 weitere Piloten
anschließen könnten. Boeing äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu dem
Rechtsstreit.

Der Kläger erhebt schwere Anschuldigungen. Boeing und der
US-Luftfahrtbehörde FAA wird "eine beispiellose Vertuschung" bekannter Fehler
der 737 Max vorgeworfen. Die Abstürze und die folgenden Flugverbote seien
deshalb "vorhersehbar" gewesen. Der Pilot beklagt unter anderem "erhebliche
Einkommenseinbußen" sowie "schweres emotionales und mentales Leid". Er sei
gewissermaßen gezwungen gewesen, die Boeing-Maschinen zu fliegen und so nicht
nur sich selbst, sondern auch Crew und Passagiere in Lebensgefahr zu
bringen./rek/hma/hbr/DP/stw

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