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dpa-AFX: WDH/ROUNDUP/Sieben Jahre nach der Pleite: Schleckers Kinder müssen ins Gefängnis

25.04.2019 - 15:22:24
(Mehrere Rechtschreibfehler korrigiert.)

STUTTGART (dpa-AFX) - Die Richter waren überzeugt: Die Pleite der
Drogeriemarktkette bereits vor Augen, hatte die Familie Schlecker Millionen
beiseite geschafft, um das Geld vor Gläubigern in Sicherheit zu bringen. Anton
Schlecker war dafür 2017 vor dem Stuttgarter Landgericht zu einer
Bewährungsstrafe verurteilt worden. Seine Kinder Lars und Meike Schlecker traf
es mit Haftstrafen ohne Bewährung härter. Sie legten gegen das Urteil Revision
ein - vergeblich, wie der Bundesgerichtshof am Donnerstag mitteilte. Die
Geschwister müssen nun ins Gefängnis.

Den beiden Kindern von Anton Schlecker werden Untreue,
Insolvenzverschleppung, Bankrott und Beihilfe zum Bankrott ihres Vaters
vorgeworfen. Die Schlecker-Kinder hatten sich nach Überzeugung des Landgerichts
unrechtmäßig Gewinne in Millionenhöhe aus der zum Schlecker-Imperium gehörenden
Logistik-Firma LDG ausgezahlt - nur Tage, bevor der Konzern in die Insolvenz
ging.

Hierin habe das Landgericht die schwerwiegendste Tat - nämlich Untreue in
Tateinheit mit vorsätzlichem Bankrott - gesehen, hieß es in der Mitteilung des
BGH. Deshalb fiel das Urteil gegen Anton Schlecker auch milder aus, dessen
zweijährige Haftstrafe, die er neben einer Geldstrafe bekommen hatte, zur
Bewährung ausgesetzt worden war. Schleckers Frau Christa war anfangs auch im
Stuttgarter Strafprozess angeklagt, das Verfahren wurde aber eingestellt.

Ihre Kinder Lars und Meike sind nun rechtskräftig zu Haftstrafen von jeweils zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Das sind im Falle von Meike
ein Monat, im Falle von Lars zwei Monate weniger als im Urteil des Landgerichts
vorgesehen. Zur Begründung hieß es vom BGH, das Landgericht habe in seinem
Urteil nicht berücksichtigt, dass die Kinder selbst nicht die Schuldner waren.

Schlecker, einst die größte Drogeriemarktkette Europas, hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Eine Rettung schlug fehl, Tausende Mitarbeiter verloren
ihre Jobs. In dem Verfahren im Jahr 2017 ging es um die Frage, wann Schlecker
die drohende Zahlungsunfähigkeit erkannt hat oder hätte erkennen müssen. Von dem
Zeitpunkt an hätten er und seine Kinder kein Geld mehr aus dem Unternehmen
abziehen dürfen.

Anton Schlecker sah den Zeitpunkt offenbar nie kommen. Vor Gericht hatte er
beteuert: "Die Insolvenz für mein Unternehmen war für mich unvorstellbar." Noch
Ende 2011 bestand er darauf, den Mitarbeitern nicht nur pünktlich das Gehalt,
sondern auch Weihnachtsgeld zu zahlen. Kurz vor der Insolvenz hatte Schlecker
seinen vier Enkeln aber auch sechsstellige Summen überwiesen und war mit seinen
Kindern in die Karibik gereist.

Seine Familie wiegte sich offenbar in dem Glauben, das alles gut gehen
würde, bis Handelspartner und Versicherer Anfang 2012 die Reißleine zogen. Im
Gerichtssaal berichtete Schlecker von einem Anruf seiner Tochter kurz vor der
Pleite im Januar 2012: Fassungslos sei sie gewesen. "Papa, die lassen uns
fallen."

Die Richter am Landgericht nahmen der Familie die Unwissenheit nicht ab.
Nach Überzeugung der Kammer drohte die Zahlungsunfähigkeit schon ab dem 1.
Februar 2011. Von da an hätte Schlecker demnach kein Geld mehr aus der Firma
ziehen und auch nichts mehr aus seinem privaten Vermögen an andere übertragen
dürfen. Denn als sogenannter Einzelkaufmann haftete er mit allem, was er besaß.

Insgesamt gut 14 Millionen Euro haben die Schleckers mittlerweile an den
Insolvenzverwalter zurückgezahlt, der immer noch versucht, in mühsamen Prozessen
- etwa gegen Kartelle bei Lieferanten - Geld einzutreiben. Denn insgesamt haben
die Gläubiger früheren Angaben zufolge mehr als eine Milliarde Euro an
Forderungen angemeldet.

Ein zivilrechtliches Nachspiel in Österreich war 2018 mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Schleckers Frau und Kinder hatten sich vor dem Landgericht Linz
mit der ebenfalls insolventen österreichischen Schlecker-Nachfolgerkette Dayli
geeinigt. Über den Betrag wurde Stillschweigen vereinbart.
Dayli-Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner hatte zum Prozessauftakt Ende 2017
20 Millionen Euro Schadenersatz von Schleckers Frau und den beiden Kindern
gefordert./ang/DP/fba
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