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dpa-AFX: AUTO-KONZERNE IM FOKUS: VW, Daimler und BMW unter Zugzwang

11.01.2019 - 14:24:28
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Autoindustrie hatte kein gutes Jahr 2018
- und mit dem Urteil zu den grundsätzlich zulässigen Dieselfahrverboten in
deutschen Großstädten im Februar ging es erst los. Die Automanager verstehen
sich schon lange darauf, über hohe Kosten für Elektroantriebe und neue Technik
zu klagen, um nach den vielen Boomjahren die Erwartungen zu dämpfen. Doch
mittlerweile braut sich ein Sturm zusammen. An der Börse schlägt sich die
Tristesse schon länger in stark gedrückten Kursniveaus nieder.

DIE LAGE DER UNTERNEHMEN:

Volkswagen, Daimler und BMW verkauften zusammengenommen 2018 fast 15,8
Millionen Fahrzeuge, soviel wie noch nie. Doch unterm Strich wird es diesmal vor
allem bei den Premiummarken deutlich mauer aussehen als in den Rekordjahren
zuvor. Daimler und BMW muteten über das Jahr ihren Anlegern Gewinnwarnungen zu,
VW klammerte bei der Ergebnisprognose die wieder einmal spürbaren
Sondereinflüsse aus. Und die Aussichten bleiben düster, wie sich an der Lage der
Zulieferer zeigt, die reihenweise schlechte Zahlen vorlegen oder ihre Aussichten
kappen müssen.

Zu dem Problem des Dieselniedergangs kam im vergangenen Jahr noch eine ganze Latte hinzu: Der seit September geltende Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP
wirbelte vor allem im VW-Konzern die Produktion durcheinander und damit den
ganzen Markt in Europa.

Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Handelsstreit erfasste über
chinesische Einfuhrzölle auf US-Autos zuerst Daimler und BMW. Dann aber brach
auch der Massenmarkt in China nach der Jahresmitte ein - und bescherte dem
wichtigsten Einzelmarkt für die Autobauer im Gesamtjahr den ersten Einbruch seit
mindestens zwanzig Jahren. Ob es beim Export von Autos und Zulieferteilen aus
Europa in die USA zu höheren Zöllen kommt, ist noch unklar.

Die Schockwellen kommen der Branche gerade höchst ungelegen. Denn eigentlich müssen sie alle viel Geld in neue Elektroantriebe stecken und ihre
Fahrerassistenzsysteme weiterentwickeln, um nicht von aggressiven Marktneulingen
wie Tesla, Google, Uber und Co. deklassiert zu werden. Spätestens 2021 drohen
überdies Strafen der EU-Kommission für den Fall, dass neu verkaufte Fahrzeuge im
Schnitt die Grenzwerte beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) reißen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Die Analysten sind gar nicht so pessimistisch, wie die Probleme vermuten
ließen - zumindest, was die kommende Aktienkursentwicklung betrifft. Bei VW
sehen die Finanzexperten die größten Chancen: Bis zum durchschnittlichen
Kursziel der im dpa-AFX-Analyser erfassten Analystenstudien trauen sie den
VW-Vorzügen mehr als ein Drittel Kursanstieg zu. Bei Daimler ist es über ein
Viertel, bei BMW knapp ein Fünftel. Immer noch überwiegen auch die
Kaufempfehlungen gegenüber den Verkaufsvoten, am deutlichsten bei Volkswagen.

Doch jubilieren mag kaum einer der Branchenexperten. Europäische Autowerte
befänden sich in einem "Niemandsland", urteilt Morgan-Stanley-Analyst Harald
Hendrikse in seinem Ausblick auf das neue Jahr. Die Bewertungen der Firmen seien
niedrig, die Gewinnerwartungen aber nicht. Der Umstieg auf das neue
Abgasprüfverfahren RDE im September könnte den Markt weiter durcheinander
bringen. Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für Anlagen befänden sich
auf Rekordhochs. Wenn die Nachfrage weiter nachlasse, dürften sich die Konzerne
zunehmend auf Kooperationen einlassen, um Kosten zu senken.

Die Stimmung in der Industrie dürfte das erste Halbjahr über bedrückt
bleiben, schreibt auch sein Kollege Jose Asumendi von JPMorgan. Die Aktien
dürften auf den Bewertungsniveaus verharren, bis die Branche mehr Sicherheit
gewinne, was die weltweiten Produktionspläne im zweiten Halbjahr angeht.
Immerhin geht der Experte insgesamt von einer stabileren Entwicklung 2019 aus,
weil unter anderem auch die Nachfrage nicht zurückgehen sollte. Getragen von
Europa und China sollten weltweit 1,3 Prozent mehr Autos verkauft werden.

Kepler-Experte Thomas Besson sieht das deutlich kritischer. Bei Pkw und
leichten Nutzfahrzeugen dürfte 2019 ein Minus von 2,7 Prozent weltweit stehen.
Das wäre dann nach seiner Schätzung der zweite Rückgang nacheinander. Zuvor war
es seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nur nach oben gegangen.

DAS MACHEN DIE AKTIEN:

Die Bewertung von Autobauern ist in ihrem Kerngeschäft ohnehin nicht die
höchste. Echte Wachstumssprünge sind bei den ohnehin schon großen Konzernen
nicht zu erwarten - es gibt aber auch Ausnahmen wie Tesla, die gemessen an ihrem
operativen Ergebnis eher wie Technologiekonzerne bewertet werden.

Gemessen an den für dieses Jahr am Markt erwarteten Gewinnen liegt der
Unternehmenswert der deutschen Autobauer im Industriegeschäft bei rund dem
zweifachen des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern, wie die US-Investmentbank
Jefferies errechnet hat. Zum Vergleich: Beim Luxusautobauer Ferrari liegt die
Bewertung beim 26-fachen. Wenn Tesla tatsächlich wie geschätzt im kommenden Jahr
einen operativen Gewinn macht, dann stehen die Kalifornier beim 56-fachen.

Aber die deutschen Autobauer sind nicht allein in der Tristesse: Der
europaweite Index Stoxx Europe 600 Automobile & Parts, in dem Hersteller wie
Zulieferer Europas zusammengefasst sind, hat vergangenes Jahr gut 28 Prozent
eingebüßt. Volkswagens Vorzugsaktien haben rund ein Sechstel verloren,
BMW-Stämme fast 19 Prozent. Daimler-Papiere büßten sogar gut ein Drittel ein.

Der Start ins neue Jahr war da schon verheißungsvoller. Daimler stehen mit
plus knapp 6 Prozent am besten da, Volkswagen und BMW liegen knapp im
Plus./men/nas/jha/

Bezeichnung
WKN
Börse
Kurs
Währung
±
±%
Kurs
vom
VOLKSWAGEN AG VZO O.N. 766403
Frankfurt
146,960
EUR
±0,00
±0,00%
24.06.19
19:15:11
DAIMLER AG NA O.N. 710000
Frankfurt
47,815
EUR
-1,66
-3,36%
24.06.19
19:22:14
BAY.MOTOREN WERKE AG ST 519000
Frankfurt
63,550
EUR
-0,88
-1,37%
24.06.19
19:20:56
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