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dpa-AFX: ROUNDUP: BMW will nach schwachem Jahr die Zügel anziehen - Gewinneinbruch

15.03.2019 - 13:52:03
MÜNCHEN (dpa-AFX) - BMW will angesichts der Schwäche auf den
Automärkten die Sparbemühungen verschärfen. "Die Herausforderungen für die
gesamte Industrie nehmen in den nächsten Monaten nicht ab", sagte Vorstandschef
Harald Krüger am Freitag in München. "Deswegen werden große Kraftanstrengungen
in allen Bereichen des Unternehmens erforderlich sein." Im vergangenen Jahr
sorgten schwächere Geschäfte in China und Europa für einen Gewinneinbruch, die
Dividende soll empfindlich gekürzt werden.

Bereits seit 2017 laufe im Konzern ein Programm, um effizienter zu
wirtschaften und die Modellvielfalt zu senken, sagte Finanzchef Nicolas Peter.
"Diese Anstrengungen werden wir angesichts der aktuellen Entwicklungen nochmals
ausweiten und deutlich verstärken." Und "wir erwarten auch 2019 starken
Gegenwind für die gesamte Branche."

Der Konzern rechnet zwar 2019 mit einem weiteren leichten Absatzplus. Aber
das war schon im Vorjahr kein Garant für bessere Ergebnisse. Der Umsatz gab im
vergangenen Jahr mit 0,8 Prozent auf 97,5 Milliarden Euro zwar nur leicht nach -
umso stärker zog es aber die Ergebnisse nach unten. Im Tagesgeschäft bekam das
Unternehmen auf dem wichtigsten Einzelmarkt China vor allem den Zollstreit mit
den USA zu spüren, in Europa belasteten die Marktverwerfungen durch die
Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchstests WLTP die Preise.

Der Nettogewinn sackte auch wegen deutlich höherer Steuern um ein Sechstel
auf 7,21 Milliarden Euro ab. Die Dividende wollen die Münchener von 4 Euro auf
3,50 Euro je Stammaktie kürzen. BMW hatte bereits Ende Oktober vor deutlichen
Problemen im Kerngeschäft mit dem Autobau gewarnt. Erstmals seit dem
Konjunktureinbruch in der Finanzkrise vor rund zehn Jahren schaffte der
Autobauer es nicht, in der wichtigsten Sparte die Zielmarge von 8 bis 10 Prozent
vor Zinsen und Steuern zu erreichen. Im dritten Quartal hatten auch
Rückstellungen für drohende Rückrufe wegen fehlerhafter Abgaskomponenten für
hohe Belastungen gesorgt.

Die Marge im Automobilbau rutschte 2018 um 2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent
ab. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel konzernweit um 7,9 Prozent auf 9,12
Milliarden Euro. Allerdings fiel es damit etwas besser aus als von Analysten
gedacht - die im Dax notierten Stammaktien lagen zuletzt rund ein Prozent im
Plus. Der Vorsteuergewinn, in dem auch die Beteiligungsgewinne aus dem
chinesischen Gemeinschaftsunternehmen enthalten sind, lag mit 9,82 Milliarden
Euro 8,1 Prozent unter dem Vorjahr.

Der Vorstand hatte bereits deutlich gemacht, dass sich die schwierigen
Bedingungen wohl auch bis ins neue Jahr ziehen würden. Die Manager sehen weiter
politische Unsicherheiten - BMW produziert zum Beispiel den Mini großteils in
Großbritannien, wo ein ungeregelter Brexit die Handelsströme empfindliche zu
stören droht. Aber auch die Zollstreitigkeiten weltweit trüben weiter die
Aussichten. Noch ist nicht entschieden, ob die Branchenvertreter aus der EU von
höheren Einfuhrzöllen in die USA verschont bleiben.

Daneben sorgt sich das Unternehmen um die abkühlende Konjunktur insgesamt,
um steigende Kosten für CO2-Emissionsvorgaben, negative Wechselkurseffekte und
höhere Rohmaterialpreise. Schon seit längerem will der Konzern als Gegenmaßnahme
die teure Angebotsvielfalt reduzieren. Nun wird zum Beispiel kein neues Modell
mehr vom BMW 3er Gran Turismo mit Fließheck entwickelt.

Zu den Fragen was die Sparbemühungen bringen sollen und ob auch ein
Stellenabbau Teil des Vorhabens sein könnte, machte das Unternehmen zunächst
keine konkreten Angaben. Am kommenden Mittwoch (20. März) will BMW auf der
Jahrespressekonferenz einen detaillierten Ausblick auf das laufende Jahr geben.

BMW hat im vergangenen Jahr erneut deutlich mehr Geld für neue Technik
ausgegeben als im Jahr zuvor. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung
kletterte um fast 13 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. BMW steckt wie die
Wettbewerber viel in neue Elektroantriebe und Modelle.

Auch für BMW wird es daher immer wichtiger, Kosten mit Partnern zu teilen
und die gleiche Technik nicht doppelt entwickeln zu müssen. Mit dem Erzrivalen
Daimler legten die Münchener ihre Angebote bei Carsharing und Mobilitätsdiensten
zusammen, auch beim autonomen Fahren wollen die beiden führenden deutschen
Premiumhersteller künftig stärker gemeinsame Sache machen und einen gemeinsamen
Standard etablieren.

Womöglich gehen die Kooperationsbemühungen mittelfristig aber sogar darüber
hinaus. Zwischen BMW und Mercedes-Benz liefen bereits seit Monaten vertrauliche
Gespräche zur gemeinsamen Entwicklung von Plattformen, berichtete die
"Süddeutsche Zeitung" am Freitag unter Berufung auf eigene Informationen. Auf
diese Weise könnten die Unternehmen Milliarden einsparen. Was dabei herauskomme
sei völlig offen, die Gespräche könnten auch scheitern. Die Unternehmen wollten
sich zu den Informationen nicht äußern.

Plattformen sind die technische Basis für die Entwicklung und Produktion von Automodellen - und somit ein Herzstück der jeweiligen Unternehmensstrategien.
Generell ist die Neigung in der Automobilindustrie angesichts von hohen
Investitionsausgaben hoch, bei Techniken zu kooperieren, die im Wettbewerb am
Markt für den Kunden keinen Unterschied machen. Vor allem bei technischen
Standards wollen die Unternehmen einen Wildwuchs vermeiden, damit zum Beispiel
Batterien in verschiedene Modelle eingesetzt werden können./men/jkr/mis

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