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Deutsche Anleihen legen wieder zu - Französische Titel weiter unter Druck

22.10.2026 - 17:42:41
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Kurse deutscher Staatsanleihen haben am Donnerstag ihre Vortagesverluste wettgemacht. Der richtungweisende Euro-Bund-Future legte bis zum späten Nachmittag um 0,65 Prozent auf 122,23 Punkte zu. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug auf 3,35 Prozent.

Angesichts der Proteste und der Haushaltskrise in Frankreich waren deutsche Staatsanleihen als sicherer Hafen gesucht. Zudem profitierten sie von den Verlusten am Aktienmarkt, wo durchwachsene Geschäftszahlen großer US-Tech-Konzerne und die wieder deutlich gestiegenen Ölpreise auf die Stimmung drückten.

Am französischen Anleihenmarkt zog die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zuletzt auf 5,08 Prozent an. Sie rentierten damit inzwischen höher als vergleichbare US-Papiere. Der Abstand zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren (die sogenannte Risikoprämie) hatte sich entsprechend zwischenzeitlich auf 1,78 Prozentpunkte ausgeweitet. Dies war der höchste Stand seit Ende 2011, als die Euro-Schuldenkrise ihren Höhepunkt erreicht und Spekulationen zugenommen hatten, die Europäische Union könnte auseinanderbrechen.

Die Lage in Frankreich bleibt angespannt. Der Gewerkschaftsbund des Landes rief zu einem Generalstreik am 5. November auf. Das Land befinde sich in einer tiefen Krise, weil sich die soziale Lage für eine Mehrheit der Bevölkerung verschlechtert habe, hieß es zur Begründung. Für den 5. November hatten die Gewerkschaften zuvor bereits zu landesweiten friedlichen Demonstrationen aufgerufen.

"Die politische Blockade und die öffentliche Empörung über die hohen Lebenshaltungskosten machen es praktisch unmöglich, die öffentlichen Finanzen noch vor den französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr zu sanieren", sagte Elias Haddad, leitender Marktstratege bei der Investmentbank Brown Brothers Harriman & Co.

Da insofern die Unsicherheit bis zur Präsidentschaftswahl im Frühjahr sowie der Wahl der Nationalversammlung im Juni hoch bleiben dürfte, sei auch mit einer anhaltend erhöhten Risikoprämie französischer Staatsanleihen zu rechnen, schrieb Finanzanalyst Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler. Die Dauer dieser Unsicherheitsphase sei dabei zunehmend auch selbst ein Budgetfaktor: Dank der Niedrigzinsphase in den 2010er-Jahren betragen die Zinskosten für die bestehenden Schulden aktuell dem Experten zufolge zwar nur rund 2 Prozent. Mit der Ablösung jeder auslaufenden Anleihe aber stiegen auch die Zinskosten./la/he


Quelle: dpa-AFX
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