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ROUNDUP 2: Trump ärgert sich beim Nato-Gipfel über Europa

07.07.2026 - 19:36:31
(Aktualisierung: Deutsche Rekordausgaben im 9. Absatz ergänzt. Empfang zum Auftakt-Essen im 5. Absatz. An einigen Stellen wurde der Text gestrafft.)

ANKARA (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hofft beim Nato-Gipfel auf einen guten "Geist von Ankara", US-Präsident Donald Trump sucht den Streit: Europas Hoffnungen auf harmonische Beratungen hat Trump schon bei der Ankunft einen Dämpfer verpasst.

"Ich war sehr enttäuscht von der Nato", sagte er in der türkischen Hauptstadt und erneuerte seine Kritik, Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich hätten die USA im Iran-Krieg hängenlassen. Auch im Streit um Grönland, das die USA von Bündnispartner Dänemark übernehmen wollen, legte Trump nach.

Die 32 Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses wollen bis Mittwoch beraten, wie die Lasten in der Nato mehr auf die europäischen Alliierten und Kanada verteilt werden können. Die USA hatten angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen und weniger Streitkräfte für Planungen der Nato vorzuhalten.

Wichtiges Thema ist auch die Unterstützung für die Ukraine, die sich im fünften Jahr gegen einen russischen Überfall verteidigt. Trump will sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Gipfels treffen.

Zum offiziellen Auftakt empfing der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Gipfelteilnehmer am Abend zu einem Festessen in seinen Palast. Auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerstaaten Ukraine, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie EU-Vertreter waren dazu eingeladen.

Merz: Lasst uns eine europäischere Nato bauen

"Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann", sagte Merz vor dem Abflug nach Ankara. "Ich wünsche mir, dass es uns gemeinsam gelingt, einen Geist von Ankara zu wecken", ergänzte der CDU-Politiker, der von seiner Ehefrau Charlotte begleitet wird.

Als gutes Beispiel auf diesem Weg nannte Merz die Absicht Kanadas, bis zu zwölf U-Boote des Kieler Marineschiffbauers TKMS zu kaufen. Das Geschäft sei "ein starkes Zeichen für die transatlantische und die europäische Zusammenarbeit".

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sagte Merz: "Ankara könnte einen Einschnitt in diesem Krieg markieren." Der Kanzler bezog sich darauf, dass es in Ankara eine Vereinbarung von Bündnismitgliedern geben soll, das von Russland angegriffene Land mit weiterer Milliarden-Hilfe auszustatten.

Deutschland meldet erneut Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe

Deutschland meldete der Nato erneut Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe. Die Bundesregierung übermittelte für das laufende Jahr 2026 einen Betrag von 124,7 Milliarden Euro. Das geht aus Daten hervor, die das Verteidigungsbündnis zum Auftakt des Gipfels veröffentlichte.

Dies entspricht einer Steigerung um 25,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2025 wurden die Ausgaben auf rund 99,3 Milliarden Euro beziffert. In absoluten Zahlen ist der Anstieg um rund 25,4 Milliarden Euro der höchste, der für Deutschland in der jüngeren Geschichte registriert wurde. Innerhalb der Nato geben nur die USA mehr Geld für Verteidigung aus als die Bundesrepublik.

Erdogan empfängt Trump mit allen Ehren

Der türkische Präsident ehrte Trump mit einem spektakulären Empfang. Er empfing ihn zunächst persönlich am Flughafen, dann gab es am Präsidentenpalast eine zweite, geradezu pompöse Begrüßung. Trumps Limousine wurde von einer hellblau gekleideten Reiterstaffel eskortiert - angeführt von zwei Reitern, die die türkische und die US-Flagge trugen. Kanonenschüsse wurden abgefeuert, Kampfjets malten die Farben der US-Flagge in den Himmel. "Wir sind gute Freunde", sagte Trump und lobte die Türkei einmal mehr für ihre Loyalität.

Trump lässt Türkei auf Lieferung modernster Kampfjets hoffen

Erdogan hofft auch auf ein konkretes Entgegenkommen Trumps: Die Türkei will US-Kampfjets vom Typ F-35 kaufen, wofür es in den USA allerdings mehrere Hürden gibt. Trump kündigte zwar an, Sanktionen gegen die Türkei aufheben zu wollen. Doch auch unabhängig davon gibt es in den USA ein Gesetz, dass den Verkauf solcher Kampfjets nur erlaubt, wenn sich die Türkei erheblich bewegen würde. Dafür gibt es bislang allerdings keine offiziellen Anzeichen.

Als am Bau des Tarnkappenbombers F-35 beteiligter Partner hätte die Türkei eigentlich etwa 100 Jets bekommen sollen. Doch nachdem die Regierung in Ankara das russische Flugabwehrsystem S-400 erworben hatte, schloss die US-Regierung die Türkei 2019 während Trumps erster Präsidentschaft aus dem Programm aus. Die USA fürchteten, dass Russland über das empfindliche Radar des S-400-Waffensystems an Daten der Tarnkappentechnik gelangen könnte.

Einmal mehr holte der US-Präsident gegen Europa aus. "Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen", drohte er hypothetisch, ohne konkret zu werden. Trump stellte klar, dass für ihn Grönland, die weltgrößte Insel, von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden sollte. Öffentliche Drohungen unterließ er in diesem Zusammenhang allerdings.

Nato bereitet sich auf Drohnenkriege vor

Die Nato bereitet sich auf eine massive Ausweitung der Kriegsführung mit Drohnen vor. Verbündete wollen laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den kommenden fünf Jahren im Zuge einer neuen Initiative mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. Drohnen seien zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden, sagte Rutte.

Der ukrainische Präsident Selenskyj, dessen Land im Abwehrkampf gegen Russland viel Wissen im Kampf mit und gegen Drohnen gesammelt hat, riet den Nato-Alliierten zu schnelleren Vorbereitungen. Er rief die Nato auf einem Rüstungsforum am Rande des Gipfels auf, sich an einer gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme zu beteiligen. Er warb auch erneut für einen Bündnisbeitritt seines Landes./bk/aha/cn/mfi/fsp/jam/DP/he


Quelle: dpa-AFX
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