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ROUNDUP 2: Israels Präsident beauftragt Eisenkot mit Regierungsbildung

08.11.2026 - 13:35:45
TEL AVIV (dpa-AFX) - Der israelische Präsident Izchak Herzog beauftragt den Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot mit der Regierungsbildung. Nach Konsultationen mit allen Parteien kündigte Herzog nach Angaben seines Büros an, dem 66-jährigen Vorsitzenden der Mitte-Partei Jaschar das Mandat offiziell zu erteilen. Eisenkot ist der wichtigste Gegenspieler des langjährigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (77), der nach der Parlamentswahl am 27. Oktober um sein Amt bangen muss.

Bei den Konsultationen hatten Parteien mit insgesamt 67 der 120 Abgeordneten Eisenkot für die Regierungsbildung empfohlen. Diese Empfehlungen garantieren allerdings noch keine erfolgreiche Koalitionsbildung. Zwischen und innerhalb der politischen Lager gibt es erhebliche Konflikte und zahlreiche rote Linien, die Kompromisse erschweren.

Netanjahu stünde als Ersatzkandidat bereit

Eisenkot hat zunächst 28 Tage Zeit, eine Regierungskoalition zu bilden. Der Präsident kann diese Frist um maximal 14 Tage verlängern. Scheitert Eisenkot, kann Herzog ein anderes Mitglied des Parlaments mit der Regierungsbildung beauftragen. Dafür stehen weitere 28 Tage zur Verfügung.

Als möglicher Kandidat für diesen Fall gilt Netanjahu. Bei der Parlamentswahl am 27. Oktober wurde seine rechtskonservative Likud-Partei mit 27 Mandaten stärkste Kraft. Dahinter folgte die von Eisenkot neu gegründete Partei Jaschar mit 21 Abgeordneten.

Streit um Regierungsbildung eskaliert

Netanjahu rief die Oppositionsparteien praktisch in letzter Minute zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf. Dieser sollten neben seinem Likud und den beiden ultraorthodoxen Parteien auch die rechtsextremen Parteien Religiöser Zionismus von Finanzminister Bezalel Smotrich sowie Ozma Jehudit von Polizeiminister Itamar Ben-Gvir angehören.

Zugleich warnte der am längsten amtierende Ministerpräsident Israels vor einer Regierung, die auf die Unterstützung der arabischen Parteien angewiesen wäre. Eine solche Regierung würde Israel von innen heraus zerstören, behauptete Netanjahu.

Eisenkot spricht von "billiger PR-Masche"

Eisenkot bezeichnete Netanjahus Aufruf als "billige PR-Masche". Ausgerechnet jener Mann, der die israelische Gesellschaft gespalten und Zwietracht gesät habe, spreche nun von Einheit - aber nur, weil er erkannt habe, dass seine Tage im Amt gezählt seien. Netanjahu habe nie eine Vereinbarung eingehalten, die er mit politischen Partnern unterzeichnet habe.

"Jetzt ist es an der Zeit, eine nationale Notstandsregierung zu bilden", schrieb Eisenkot auf der Plattform X. Er werde alles tun, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Ziel sei es, eine stabile Regierung zu bilden, eine weitere Wahlrunde zu verhindern und Netanjahu aus dem Amt zu drängen.

Eisenkot hat dafür vier Grundprinzipien formuliert: Israel müsse ein jüdischer und demokratischer Staat sein, die Werte der Unabhängigkeitserklärung achten und eine allgemeine Dienstpflicht für alle Bürger - auch die arabische Minderheit - einführen. Diese soll durch Militärdienst oder alternativ durch zivilen Dienst erfüllt werden können. Als vierten Grundsatz nennt Eisenkot die Einstufung der Hamas als Terrororganisation und die Verpflichtung, ihre militärischen und politischen Herrschaftsstrukturen im Gazastreifen zu zerschlagen. Wer diese Prinzipien akzeptiere, könne seiner Regierung beitreten.

Wer die Königsmacher sein könnten

Das aus vier Parteien bestehende Oppositionslager verfügt über 48 der 120 Sitze in der Knesset. Für eine Mehrheit fehlen ihm also 13 Stimmen. Diese könnten von den arabischen Parteien Vereinte Liste und Raam kommen, die zusammen 19 Mandate gewonnen haben. Beide haben Eisenkot für den Auftrag zur Regierungsbildung empfohlen.

Das Problem: Innerhalb des Oppositionslagers gibt es erhebliche Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit arabischen Parteien. Umstritten sind sowohl deren Beteiligung an einer Koalition als auch die Möglichkeit, eine Minderheitsregierung von ihnen tolerieren zu lassen.

Auch ultraorthodoxe Parteien könnten entscheidend werden

Rein rechnerisch könnten die entscheidenden Stimmen auch von den ultraorthodoxen Parteien Vereinigtes Thora-Judentum (UTJ) und Schas kommen. Sie verfügen zusammen über 13 Sitze. Eine Regierungskoalition käme damit auf eine knappe Mehrheit von 61 der 120 Stimmen.

Allerdings empfahl Schas Netanjahu für die Regierungsbildung, während UTJ auf eine Empfehlung verzichtete. Schas wies außerdem Berichte über eine mögliche Beteiligung an einer von Eisenkot geführten Regierung entschieden zurück.

Medienberichten zufolge soll dagegen der Oppositionspolitiker und frühere Außen- und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, bislang scharfer Gegner einer Zusammenarbeit mit den Ultraorthodoxen, inzwischen zu einem Bündnis mit ihnen bereit sein.

Ein wesentliches Hindernis bleibt der Streit über die Wehrpflicht. Schas und UTJ verlangen weitreichende Ausnahmen für ultraorthodoxe Juden. Eisenkot hingegen fordert eine Dienstpflicht für alle Bürger. Damit steht eine zentrale Forderung seiner Regierungspläne im direkten Konflikt mit den Interessen der ultraorthodoxen Parteien.

Und dann bleibt noch der Likud - aber ohne Netanjahu

Eine große Koalition des Oppositionslagers mit dem Likud wäre rechnerisch ebenfalls möglich. Allerdings käme nur eine Zusammenarbeit ohne Netanjahu an der Spitze infrage. Ob es zu einem Führungswechsel kommen könnte und sich die Parteien auf ein gemeinsames Regierungsprogramm verständigen würden, ist jedoch völlig offen./da/DP/mis


Quelle: dpa-AFX
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