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Nachrichtenübersicht

OTS: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V. / Roland Berger: ...

08.09.2026 - 08:09:11
Roland Berger: Die Nachfrage nach Geflügelfleisch steigt bis 2040
weiter an
Berlin (ots) - Roland Berger Geflügelstudie 2026 zeigt weiter wachsende
Nachfrage, Vorteile für Ernährung und Klima sowie den dringenden Bedarf für mehr
heimische Produktion

- Roland Berger: Nachfrage nach Geflügelfleisch in Deutschland hält an. Bis 2040
  jährliches Wachstum von bis zu 3,4 Prozent, allein bei Hähnchenfleisch. Das
  sind gut 50 Prozent mehr Marktvolumen bis 2040.

- Der Trend hin zu mehr Geflügelfleisch spart zwischen 2010 und 2040 rund 25
Prozent an C02-Emissionen.
- Der Verbrauch an Geflügelfleisch in Deutschland wächst doppelt so schnell wie
die heimische Produktion. Die Importabhängigkeit steigt weiter.
- Ohne gezielte Gegenmaßnahmen sinkt der Selbstversorgungsgrad von heute 91
Prozent bis 2040 auf 73 bis 77 Prozent.
- ZDG-Geschäftsführer Schleicher: Beste Gegenmaßnahme gegen steigende
  Importabhängigkeit ist mehr heimische Produktion. Die Branche steht für
  Investitionen von mindestens einer Milliarde Euro bereit

- Studie empfiehlt schnellere Genehmigungen, digitale Bürokratie-Entlastung,
sichtbare heimische Qualität und faire EU-Rahmenbedingungen

Der Geflügelboom in Deutschland wird bis mindestens 2040 weitergehen. Das ist
das zentrale Ergebnis der Roland Berger Geflügelstudie 2026. Die Modellierung
zeigt bis 2040 ein jährliches Nachfragewachstum bei Geflügelfleisch von 2,1 bis
2,5 Prozent, bei Hähnchen sogar von bis zu 3,4 Prozent. Die Gründe laut Roland
Berger: Geflügelfleisch liefert viel natürliches und erschwingliches Protein. Es
lässt sich leicht und vielseitig zubereiten und es liefert wichtige
Mikronährstoffe. Zugleich weist es unter den Fleischarten einen besonders
günstigen CO2-Fußabdruck auf. Der Boom ist damit keine schlechte Nachricht für
Ernährung und Klima. Doch die Rahmenbedingungen in Deutschland bremsen die
heimische Erzeugung. Die Roland Berger Geflügelstudie 2026 im Auftrag des
Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) zeigt: Ohne zusätzliche
Produktionskapazitäten könnte der Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch in
Deutschland von heute 91 Prozent bis 2040 auf 73 bis 77 Prozent sinken. Dabei
hat sich der Importüberschuss zwischen 2014 und 2025 bereits verachtfacht.

Die deutsche Geflügelwirtschaft ist bereit, gegenzusteuern und eine Milliarde
Euro in moderne Ställe sowie zusätzliche Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten
zu investieren. Zentrale Voraussetzung für die Branche: verlässliche
Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungen und faire Wettbewerbsbedingungen in
Europa.

Die jetzt vom ZDG und Roland Berger gemeinsam vorgestellte Studie analysiert die
Entwicklung von Verbrauch, Erzeugung und Außenhandel, modelliert die Versorgung
bis 2040 und leitet aus den aktuellen geopolitischen Faktoren und
Marktentwicklungen vier konkrete politische Handlungsfelder ab.

Das Ernährungsprofil unserer Gesellschaft entwickelt sich hin zu
Geflügelfleisch: Der Geflügelboom wird weitergehen.

Die Ernährungsgewohnheiten in Deutschland verändern sich: Der gesamte
Fleischverbrauch ist zwischen 2010 und 2025 um rund 12 Prozent auf 76 Kilogramm
pro Kopf gesunken. Geflügelfleisch wächst gegen diesen Trend signifikant. Der
Pro-Kopf-Verbrauch stieg im selben Zeitraum um 28 Prozent auf rund 22 Kilogramm.
Bei Hähnchenfleisch beträgt das Plus sogar 62 Prozent. Damit ist Geflügel die
einzige große Fleischkategorie mit deutlichem Wachstum.

Gerade jüngere Menschen prägen diese Entwicklung. Nach einer aktuellen
Civey-Umfrage im Auftrag des ZDG unter jungen Erwachsenen isst jeder zweite 16-
bis 29-Jährige am häufigsten Geflügelfleisch. 80 Prozent greifen mindestens
einmal pro Woche zu Geflügelfleisch. Geschmack, Proteinreichtum und gute
Nährwerte sind die wichtigsten Gründe. Die Roland Berger Geflügelstudie ordnet
diesen Befund in einen breiteren Ernährungstrend ein: 55 Prozent der Gen Z und
der Millennials achten aktiv auf eine ausreichende Proteinzufuhr.

Geflügel verbindet dabei mehrere Anforderungen an moderne Ernährung. Hähnchen-
und Putenbrust liefern rund 23 beziehungsweise 24 Gramm Protein pro 100 Gramm
bei nur etwa ein bis zwei Gramm Fett. Bereits heute stammen nach den in der
Studie ausgewerteten Schätzungen 13 bis 14 Prozent der Proteinversorgung in
Deutschland aus Geflügelfleisch. Zugleich weist Geflügel unter den
Fleischkategorien einen niedrigen CO2-Fußabdruck und eine hohe Futtereffizienz
auf. Es ist damit proteinreich, vielseitig und für breite Bevölkerungsschichten
bezahlbar.

"Der Geflügelboom wird weitergehen. Das ist keine schlechte Nachricht für die
Menschen und für das Klima. Deutsches Geflügel gehört qualitativ zur Weltspitze.
Es ist proteinreich und gesund, bekömmlich, schmackhaft und erschwinglich", sagt
Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des ZDG. "Wir stehen bereit, eine Milliarde
Euro und mehr in zusätzliche Kapazitäten und moderne Ställe zu investieren. Das
stärkt Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum und verbessert die
Versorgung der Menschen mit einem hochwertigen, proteinreichen Lebensmittel."

Importvolumen wächst deutlich schneller als die heimische Produktion

Zwischen 2010 und 2025 stieg der Verbrauch von Geflügelfleisch in Deutschland um
28 Prozent, die Bruttoeigenerzeugung jedoch nur um 9 Prozent. Deutschland
verbraucht mehr Geflügelfleisch, als hierzulande erzeugt wird. Der traditionell
hohe Selbstversorgungsgrad sinkt, die Importe nehmen zu. Bei Hähnchenfleisch
sinkt der Selbstversorgungsgrad seit 2010 auf heute 93 Prozent. Über alle
Geflügelarten liegt er bei 91 Prozent. Tendenz weiter fallend.

Die Lücke wird bislang über wachsende Einfuhren geschlossen. Der
Importüberschuss erhöhte sich von 55.000 Tonnen im Jahr 2014 auf 462.000 Tonnen
im Jahr 2025 und hat sich damit mehr als verachtfacht. 82 Prozent der
Geflügelfleischimporte entfallen auf Hähnchenfleisch. Besonders stark wachsen
die Einfuhren hochwertiger Teilstücke: Rund 60 Prozent der Hähnchenimporte sind
inzwischen Premium-Teilstücke wie Brustfleisch.

Internationaler Handel bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung.
Die Studie warnt jedoch davor, sich bei einem strategisch wichtigen Lebensmittel
zu einseitig von wenigen Lieferregionen abhängig zu machen. Tierseuchen,
geopolitische Konflikte, Exportbeschränkungen sowie schwankende Futter-,
Energie- und Transportkosten können Lieferketten kurzfristig belasten. Eine
leistungsfähige heimische Produktion ergänzt offene Märkte deshalb um ein
belastbares Sicherheitsnetz.

Dr. Nicolas Wüthrich, Partner bei Roland Berger, beschreibt die strategische
Bedeutung der heimischen Produktion von Geflügelfleisch so: "Deutschland sollte
sich strategisch wappnen. Wir beobachten, dass Lieferketten anfälliger werden
und geopolitische Verwerfungen schneller auf Agrarmärkte und Lebensmittelpreise
durchschlagen. Deutschland verfügt zugleich über günstige natürliche Ressourcen
und Bedingungen, Know-how und eine leistungsfähige Infrastruktur. Es ist daher
strategisch sinnvoll, die heimische Geflügelproduktion als starke Säule der
Ernährungssicherheit und der Versorgung auszubauen. Dafür braucht es schnellere
Genehmigungen für neue Anlagen, digital vereinfachte Verwaltungsprozesse, eine
stärkere Sichtbarkeit heimischer Standards und vergleichbare
Wettbewerbsbedingungen in Europa."

Mehr heimische Produktion

Um die zusätzliche Nachfrage stärker aus heimischer Erzeugung zu bedienen, wären
bis 2040 bei Hähnchen 130 bis 180 neue Ställe pro Jahr erforderlich -
deutschlandweit. Ergänzend braucht es zusätzliche Kapazitäten in Schlachtung und
Verarbeitung.

Die Voraussetzungen in Deutschland sind grundsätzlich gut: Deutschland ist
aufgrund seines gemäßigten Klimas, verfügbarer Wasser- und Flächenressourcen,
qualifizierter Fachkräfte, kurzer Wege und eng vernetzter Wertschöpfungsketten
eine Gunstregion für die Geflügelfleischerzeugung. Mehr als die Hälfte der
Geflügelhalter hat bereits in Energieeffizienz investiert, etwa in Photovoltaik.
Weitere rund 30 Prozent planen entsprechende Maßnahmen.

Der Lösungsansatz: Vier Schritte für mehr Versorgungssicherheit

Die Studie beschreibt einen pragmatischen Handlungspfad, mit dem die
Investitionsbereitschaft der Branche in reale Kapazitäten übersetzt werden kann.
Ziel ist keine Abschottung des Marktes, sondern eine ausgewogene Verbindung von
internationalem Handel und einer starken, bundesweit breit aufgestellten
heimischen Produktion.

1. Genehmigungen beschleunigen und Umbauten ermöglichen

Planungs-, Bau-, Umwelt- und Immissionsschutzverfahren sollten einfacher,
digitaler und verlässlicher werden. Auch die Umnutzung leerstehender Ställe
sollte schneller möglich sein. Klare politische Leitlinien können Kommunen und
Behörden zusätzliche Entscheidungssicherheit geben.

2. Bürokratie digital reduzieren

Eine zentrale One-Stop-Agency sollte das Prinzip "einmal erfassen, mehrfach
nutzen" umsetzen. Bereits vorhandene Daten aus Qualitätssicherung,
Tierwohlprogrammen und behördlichen Meldesystemen könnten so sicher verknüpft
und Doppelmeldungen vermieden werden.

3. Heimische Qualität und Herkunft sichtbar machen

Hohe deutsche Standards bei Nachhaltigkeit, Tierwohl, Biosicherheit, Umwelt- und
Verbraucherschutz sollten im Wettbewerb erkennbar sein. Eine nachvollziehbare
Herkunftskennzeichnung - auch in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung -
ermöglicht informierte Kaufentscheidungen und honoriert heimische Qualität.

4. Faire europäische Wettbewerbsbedingungen schaffen

Tierwohl-, Umwelt-, Arbeits- und Kontrollstandards sollten im EU-Binnenmarkt
vergleichbar ausgelegt und vollzogen werden. Auch Importe aus Drittstaaten
brauchen äquivalente Anforderungen oder wirksame Ausgleichsmechanismen. So
lassen sich hohe Standards, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche
Tragfähigkeit miteinander verbinden.

"Die Bundesregierung kann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie kann die
Resilienz und Ernährungssicherheit Deutschlands verbessern und zugleich eine
gesunde, proteinreiche und vergleichsweise klimaeffiziente Ernährung fördern",
stellt Wolfgang Schleicher fest. "Die Branche ist bereit. Jetzt geht es darum,
gemeinsam die richtigen Weichen zu stellen."

Über die Studie

Die Roland Berger Geflügelstudie 2026 wurde im Auftrag des Zentralverbandes der
Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) erstellt. Sie wertet unter anderem Daten des
Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, des Statistischen
Bundesamts sowie weitere wissenschaftliche und marktbezogene Quellen aus. Die
Szenarien bis 2040 beruhen auf Fortschreibungen der Entwicklung der vergangenen
15 beziehungsweise 30 Jahre. Sie sind keine punktgenauen Vorhersagen, sondern
zeigen die Bandbreite möglicher Entwicklungen unter den heutigen
Rahmenbedingungen. Bitte senden Sie uns eine E-Mail an
mailto:presse@zdg-online.de , wenn Sie die vollständige Studie erhalten möchten.

Über den ZDG

Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. vertritt als Dach- und
Spitzenorganisation die Interessen der deutschen Geflügelwirtschaft auf Bundes-
und EU-Ebene. Seine Mitglieder bilden die Wertschöpfungskette von der Erzeugung
über Schlachtung und Verarbeitung bis zur Eierwirtschaft ab.

Über Roland Berger

Roland Berger ist die einzige führende Strategieberatung mit europäischen
Wurzeln. Das Unternehmen vereint tiefe Industrie- und Branchenkenntnis mit
umfassender Erfahrung in zentralen Managementfunktionen und
Transformationsprojekten. 1967 gegründet und mit Hauptsitz in München,
unterstützt Roland Berger Unternehmen weltweit bei der Gestaltung und Umsetzung
komplexer Transformationen - von strategischer Neuausrichtung über
Performance-Steigerung bis hin zur Entwicklung und Anwendung datenbasierter,
KI-gestützter Lösungen. Roland Berger hat sich unternehmensweit
Net-Zero-Emissionsziele bis 2040 gesetzt, die von der Science Based Targets
Initiative validiert wurden. Über die Fortschritte berichtet das Unternehmen
jährlich in seinem ESG-Bericht. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen
Umsatz von über einer Milliarde Euro.

Pressekontakt:

Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e. V. (ZDG)
Wolfgang Schleicher | Geschäftsführer
Claire-Waldoff-Str. 7 | 10117 Berlin
Tel. 030 288831-30 | Fax 030 288831-50
E-Mail: mailto:presse@zdg-online.de | Internet: http://www.zdg-online.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/32363/6347482
OTS: Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.


Quelle: dpa-AFX
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