Informationen zu Cookies und lokalen Einstellungen

Cookies und lokale Einstellungen sind kleine Datenpakete, die es uns und Ihnen erleichtern eine optimal bedienbare Web-Seite anzubieten. Sie entscheiden, welche Cookies und lokale Einstellungen sie zulassen und welche sie ablehnen.

Der Anbieter der Anwendung ist Ihre jeweilige Volksbank und Raiffeisenbank.

Informationen zum Datenschutz entnehmen Sie bitte den Datenschutzhinweisen Ihrer jeweiligen Volks- und Raiffeisenbank.

Notwendige Cookies helfen dabei, Ihnen die Funktionen der Webseite zugängig zu machen, indem sie Grundfunktionen die zuletzt angesehen Wertpapiere und Ihre Entscheidung für oder gegen die Nutzung der jeweiligen Cookies speichert. Die Webseite wird ohne diese Cookies nicht so funktionieren, wie es geplant ist.

Name Anbieter Zweck Ablauf Typ Empfänger der Daten  
CookieConsent8797 Volksbank Sulmtal eG Um diese Cookiebar auszublenden. 1 Jahr Server-Cookie Infront Financial Technology GmbH
Die Cookie-Erklärung wurde das letzte Mal am 19.10.2026 von Infront Financial Technology GmbH aktualisiert.

Volksbank Sulmtal eG

Bitte mindestens 3 Zeichen eingeben.

Nachrichtenübersicht

Deutsche Börse-News: "KI-Korrektur: Wenn zwei Szenarien gleichzeitig eintreten"

19.10.2026 - 10:20:59
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die Technologiebörse Nasdaq hat ihre schlechteste Woche seit Juni hinter sich, Staatsanleihen waren als Zuflucht wieder gefragt. Ein solches Szenario hatte Ali Masarwah im August an dieser Stelle skizziert. Er erklärt, warum er trotzdem nur halb recht hatte und was wir für unser Depot ableiten können.

19. Oktober 2026. FRANKFURT (envestor). Manchmal neigen Marktauguren zum Größenwahn. Tritt eine Prognose ein, glauben sie, alles richtig vorhergesagt zu haben. In Reinform trifft das allerdings selten zu. Auch Ihr Lieblingskolumnist erliegt diesem Irrglauben dann und wann. Ich darf kurz aus dem Kommentar zitieren, den ich im August für die Deutsche Börse geschrieben habe: "Sollte sich die erwartete Monetarisierung [der KI-]Investitionen verzögern, sollten Überkapazitäten bei Rechenzentren sichtbar werden oder ein einzelner großer Ausfall oder eine Herabstufung eine Neubewertung des gesamten Segments auslösen, träfe das Aktien und Anleihen gleichermaßen. Staatsanleihen dagegen würden in diesem Szenario ihre klassische Funktion als sicherer Hafen zurückgewinnen." (Kolumne lesen)

Die vergangene Woche liest sich wie eine Bestätigung. Ist sie das?

+++
Online-Session am 19. Oktober, 12 Uhr: Das neue Altersvorsorgedepot 2027 - mehr Rendite mit staatlicher Förderung. Edda Vogt und Jana Micka #324.
Kostenlos anmelden: live.deutsche-boerse.com/live
+++

Schlechteste Nasdaq-Woche seit Juni

Minus 4,5 Prozent: So viel hat der Nasdaq Composite in der Woche bis zum 16. Oktober verloren. Ein US-Halbleiter-ETF von VanEck büßte im selben Zeitraum 10 Prozent ein. Im Zentrum der Sorgen steht die Frage, ob Rechenzentrumsbetreiber profitabel werden, bevor sie ihre Schulden bedienen müssen. Die Aktie des KI-Cloud-Anbieters CoreWeave verlor allein am Freitag knapp 12 Prozent, auf Wochensicht mehr als 20 Prozent. Auch die Anleihen des Unternehmens gerieten unter Druck. Aktien und Anleihen fielen also gemeinsam, wie im August beschrieben.

Auch der zweite Teil des Szenarios ist eingetreten. Nach monatelangen Verlusten am Rentenmarkt haben Staatsanleihen wieder zugelegt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank von gut 5,3 Prozent auf rund 5,1 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag mit 3,41 Prozent so niedrig wie seit fünf Wochen nicht mehr. Duration, also die Zinsempfindlichkeit einerAnleihe, war damit in den USA und in Deutschland endlich wieder ein Freund. Wer lang laufende US-Staatsanleihen oder Bundesanleihen hielt, hat in der Woche verdient. Gemessen an den Verlusten der vergangenen zwölf Monate war das allerdings nur ein Trostpflaster: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren noch immer gut 0,8 Prozentpunkte höher als vor einem Jahr. Damit leite ich eine Serie von Relativierungen zu meinen August-Kommentaren ein.

Zwei Szenarien auf einmal

Den KI-Kreditschock hatte ich im August nur als Nebenszenario beschrieben. Im Vordergrund standen zwei Hauptszenarien. Im ersten entschärfen sich die Konflikte, der Ölpreis gibt nach, die Inflation kühlt ab. Im zweiten bleiben Ölpreis und Inflation hoch, die Notenbanken erhöhen die Zinsen, und steigende Diskontierungssätze belasten vor allem Tech- und KI-Aktien.

Das zweite Szenario sieht derzeit sehr real aus. Die Ölsorte Brent kostete am Freitag knapp 110 Dollar je Barrel. Die US-Verbraucherpreise lagen im September um 3,7 Prozent über dem Vorjahr, die Erzeugerpreise stiegen allein in einem Monat um 1,3 Prozent, so stark wie seit März 2022 nicht mehr. Die EZB hat die Leitzinsen binnen vier Monaten zweimal angehoben, für Dezember erwartet der Markt den nächsten Schritt.

Die KI-Korrektur speist sich also aus zwei Quellen: aus Zweifeln an der Finanzierung der Rechenzentren und aus dem Zinsdruck durch teures Öl. Die erste drückt die Anleiherenditen, weil Anlegerinnen und Anleger Schutz suchen; die zweite hält sie oben. Heraus kommt ein sicherer Hafen mit kräftigem Seegang. Vom Entspannungsszenario sind die Märkte weit entfernt.

Sie sehen: Meine prophetischen Gaben sind begrenzt. Sie haben es hier allerdings mit einem Analysten zu tun, der Szenarien entwirft und sich bewusst nicht in Prophezeiungen oder anderen Narreteien übt. Ein Szenario beschreibt, was eintreten kann und was dann mit einem Portfolio geschehen könnte. Die Szenarien abzuwägen und sich entsprechend zu positionieren, bleibt Sache jedes Anlegers, entsprechend seiner persönlichen finanziellen Lage.

Kommissar Zufall grüßt die Marktteilnehmer

Dabei gilt es, einen hundsgemeinen Umstand zu beachten: Investieren folgt keiner zwingenden Richtung. Viel hängt von Ereignissen ab, die eintreten können, aber nicht müssen. Die Zufälle der Weltgeschichte prägen die Richtung der Kurse, und auch eine noch so leistungsfähige KI kann sie nicht vorhersehen. Zum Jahreswechsel 2021/2022 warnten US-amerikanische und britische Geheimdienste eindringlich vor einer bevorstehenden russischen Vollinvasion der Ukraine. Viele Europäer, sogar die ukrainische Führung, hielten das damals für Alarmismus. Hätte Wladimir Putin die Warnungen Washingtons vor harten Konsequenzen beherzigt und auf den Angriff verzichtet, wäre der Energiepreisschock von 2022 ausgeblieben und das Anleihejahr 2022 kaum so verheerend ausgefallen. Wir würden heute ganz andere Szenarien diskutieren.

Strategisch Entspannung, taktisch KI-Krise

Doch es wird noch gemeiner: Investments sind Entscheidungen in mehrdimensionalen Räumen. Zu den zufälligen Markteinflüssen kommen die Zeithorizonte hinzu. So lässt sich strategisch auf ein langfristiges Entspannungsszenario setzen und zugleich taktisch auf eine KI-Krise vorbereiten. Beides verträgt sich, weil es auf verschiedenen Handlungsebenen spielt.

Strategisch heißt das: die hohen Renditen nutzen, um die Duration im Anleiheteil schrittweise zu verlängern. Entspannt sich die Lage, profitieren Langläufer doppelt, von der laufenden Verzinsung und von Kursgewinnen. Bleibt die Nervosität, schwanken sie weiter; die hohe laufende Verzinsung federt Kursverluste zumindest ab. Taktisch heißt es: die Konzentration auf KI-Werte prüfen, die über ETFs auf den MSCI World in vielen Depots ohnehin hoch ist, eine Liquiditätsreserve halten und Bausteine beimischen, deren Erträge von anderen Risiken abhängen. Katastrophenanleihen etwa entlohnen das Risiko von Hurrikanen und Erdbeben; mit dem KI-Zyklus haben sie wenig zu tun. Von steigenden Zinsen profitieren die Papiere sogar, weil ihr Renditesockel zumeist aus kurzlaufenden US-Staatspapieren (T-Bills) besteht.

Fazit: Szenarien sind Werkzeuge, keine Wetten

Eine Woche mit 4,5 Prozent Minus ist noch keine KI-Krise, und eine Entspannung kann schneller kommen, als man "Feuerpause" sagen kann. Ob sich Konflikte entschärfen, hängt an Entscheidungen, die niemand vorhersagen kann. Anlegerinnen udn Anleger sollten ihr Depot deshalb gegen alle drei Szenarien prüfen, die ich im August hier skizziert hatte: Wie viel des Aktienvermögens hängt direkt oder über Indexgewichte an KI-Konzernen? Hält der Anleiheteil einen weiteren Zinsanstieg aus, wenn Öl und Inflation hoch bleiben? Gibt es Bausteine, die in keinem der Szenarien von denselben Kräften getrieben werden? Und reicht die Liquiditätsreserve, um in einer Korrektur nicht verkaufen zu müssen? Wer diese Fragen beantwortet, sieht die Welt etwas anders als jene, die schlicht in den Markt investieren, der in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren am besten gelaufen ist. Ausgerechnet dieser Markt hält derzeit die unangenehmsten Überraschungen bereit.

Von Ali Masarwah, 19. Oktober 2026, © envestor.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


Quelle: dpa-AFX
Seitenanfang