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NGO: Angriff auf Journalistinnen könnte Kriegsverbrechen sein

06.08.2026 - 08:06:36
BEIRUT (dpa-AFX) - Ein israelischer Angriff, bei dem Ende April im Südlibanon eine Journalistin getötet und eine weitere verletzt wurde, könnte nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ein Kriegsverbrechen darstellen. "Das israelische Militär erklärt, es nehme keine Journalisten ins Visier, doch Fakten und Beweise belegen, dass dies wiederholt geschehen ist", sagte Ramsi Kaiss, Libanon-Experte bei HRW. Die libanesischen Journalistinnen Amal Chalil und Sainab Faradsch seien die jüngsten Opfer einer langen Reihe solcher Angriffe.

Bei dem israelischen Angriff am 22. April wurde Chalil getötet und Faradsch schwer verletzt. Chalil arbeitete für die Hisbollah-nahe Zeitung "Al Achbar".

Nach Auswertung von Bildmaterial, Zeugenaussagen sowie weiterer Belege habe die israelische Armee gewusst oder wissen müssen, dass es sich bei den beiden um Zivilistinnen gehandelt habe, erklärte HRW. Die Menschenrechtsorganisation forderte eine unabhängige Aufarbeitung des Vorfalls sowie Konsequenzen für mutmaßliche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.

Laut HRW äußerte sich die israelische Armee auf eine Anfrage der Organisation nur knapp zu dem Vorfall und beantwortete keine weiteren Nachfragen.

Mehrere Angriffe

Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation (NGO) gab es an dem Tag drei Angriffe: Zunächst sei ein Fahrzeug vor dem Auto der Journalistinnen getroffen worden. Dabei seien zwei Menschen getötet worden. Später sei auch das Auto der Journalistinnen angegriffen worden. Daraufhin hätten sie Schutz in einem Gebäude gesucht, das wenig später angegriffen wurde.

Weiterhin sollen Rettungsarbeiten behindert worden sein. Die israelische Armee habe Sanitäter des libanesischen Roten Kreuzes durch den Einsatz einer von einer Drohne abgeworfenen Blendgranate zum Rückzug gezwungen. Zudem sei ein Rettungswagen offenbar durch Schüsse beschädigt worden, wie HRW unter Berufung auf Augenzeugenberichte mitteilte.

Das israelische Militär dementierte direkt nach dem Vorfall Angaben, denen zufolge Rettungsteams daran gehindert worden seien, das Gebiet zu erreichen. Auf Anfrage anlässlich des HRW-Berichts teilte die Armee mit, eine vorläufige Untersuchung habe ergeben, dass die Journalistin während einer Reihe von Ereignissen ums Leben kam, bei denen zwei Kämpfer der Hisbollah-Miliz getötet wurden. Der Generalstab untersuche den Vorfall. Anschließend werde der höchste Militäranwalt entscheiden, ob weitere Maßnahmen notwendig seien. "Die israelische Armee bedauert jeglichen Schaden, der Journalisten zugefügt wurde", hieß es weiter in der Stellungnahme. Das Militär ziele nicht auf Journalisten und respektiere "die Pressefreiheit sowie die wichtige Rolle, die Journalisten spielen".

Auch im Gaza-Krieg hat das israelische Militär mehrfach Journalisten getötet. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) wirft Israel vor, Journalisten wiederholt ohne glaubhafte Belege als Terroristen zu bezeichnen. Zugleich strich die Organisation zuletzt nach einer Überprüfung mehrere Getötete aus ihrer Statistik, weil Hamas und Islamischer Dschihad sie als Kämpfer ihrer Organisation identifiziert hatten./arj/DP/zb


Quelle: dpa-AFX
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