ROUNDUP 2/Musk bestätigt: Tesla und SpaceX prüfen Zusammenschluss
21.10.2026 - 11:47:02
STARBASE (dpa-AFX) - Die von Tech-Milliardär Elon Musk geführten Unternehmen Tesla und SpaceX prüfen einen rekordträchtigen Zusammenschluss. Der Autobauer und die Weltraumfirma hätten dafür auf Wunsch von Aktionären spezielle Ausschüsse gebildet, sagte Musk in einer Videokonferenz zu den Quartalszahlen von SpaceX. Er sei wegen möglicher Interessenkonflikte nicht Teil davon. Musk ist Großaktionär beider Firmen - und diese Anteile sind die Basis seines Vermögens von geschätzt rund 920 Milliarden Dollar (820 Mrd Euro), das ihn zum derzeit reichsten Menschen der Welt macht.
Über eine Fusion von Tesla und SpaceX wird schon lange spekuliert, Musk äußerte sich dazu bisher ausweichend. Jetzt sagte er, er persönlich finde, ein solches Zusammengehen sei eine gute Idee. Es wäre aber "übertrieben" zu sagen, dass es "mit Sicherheit" dazu kommen werde, schränkte er ein. Musk verwies unter anderem darauf, dass für einen solchen Schritt die Zustimmung von mindestens 50 Prozent aller Tesla-Aktionäre notwendig wäre.
Billionen-Bewertungen
SpaceX ist an der Börse aktuell mehr als 1,9 Billionen Dollar wert und Tesla rund 1,48 Billionen Dollar. Es wäre damit die bisher gewichtigste Fusion zweier Firmen.
In beiden Fällen sind die hohen Bewertungen in hohem Maße eine Wette darauf, dass Musk seine Versprechen künftiger Erfolge einlösen kann. Er will Tesla vom Verkauf von Elektroautos auf selbstfahrende Robotaxis und humanoide Roboter umstellten. In beiden Bereichen trifft die Firma auf starke Konkurrenz. SpaceX fing mit Raketenstarts an, verdient das Geld inzwischen aber vor allem mit dem Satelliteninternet-Dienst Starlink und KI-Rechenzentren. Musk stellt für die Zukunft auch Rechenzentren in der Erdumlaufbahn in Aussicht - allerdings gibt es Zweifel, ob das machbar ist.
Mehr Macht für Musk
Bei SpaceX hat Musk bereits die volle Kontrolle dank Aktien mit mehr Stimmrechten. Bei Tesla folgt die Mehrheit der Aktionäre zwar auch seinen Wünschen - aber Musk will schon seit Jahren seine Führungsposition mit einer höheren Beteiligung absichern. In Erinnerung blieb etwa sein Spruch, er wolle keine "Roboter-Armee" bei Tesla bauen, solange ihn jemand vom Chefposten verdrängen könne.
Vergangenes Jahr gewährten ihm Tesla-Aktionäre die Aussicht auf ein riesiges Aktienpaket. Allerdings müsste Tesla dafür hochgesteckte Zielmarken erreichen, die aktuell nicht sehr realistisch wirken. Bei einer Tesla-Übernahme würden die Vorgaben aber hinfällig. Und Musk bekäme die Kontrolle, die er immer haben wollte.
Multimilliardär mischt in der Politik mit
Musk ist für seine rechten politischen Ansichten bekannt. Er spendete 2024 mehrere hundert Millionen Dollar für den Wahlkampf von Donald Trump und wurde zeitweise zu einem der engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Aktuell gibt er wieder in großem Stil Geld für den Parlamentswahlkampf von Trumps Republikanischer Partei aus. Im Präsidentenauftrag sollte Musk im vergangenen Jahr die US-Regierungsausgaben kürzen und erntete dabei viel Kritik für sein rabiates Vorgehen.
Das politische Gewicht des Multimilliardärs und seiner Unternehmen in Washington ist weiterhin groß. Die SpaceX-Raketen sind aktuell unverzichtbar für die US-Raumfahrt - militärische Programme inklusive. Auf Starlink ist die Ukraine zur Verteidigung gegen russische Attacken angewiesen - und Musk soll laut Medienberichten eine Rolle bei der jüngsten Drosselung des Dienstes dort gespielt haben. Er ist auch Co-Chef eines Gremiums, das das Pentagon zur Kriegsführung der Zukunft beraten soll, zu der nach US-Gedankenspielen auch Roboter wie Teslas Optimus gehören könnten.
Tesla-Aktionäre erwarten nicht viel
Nach der Ankündigung legte die Tesla-Aktie im vorbörslichen Handel am Mittwoch um 1,5 Prozent zu. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich Anleger keinen großen Aufpreis bei einem Zusammenschluss mit SpaceX erhoffen. Musk hatte bereits seine KI-Firma xAI, die nicht an der Börse notiert war, in SpaceX aufgehen lassen.
Der Investor und langjährige Branchenanalyst Gene Munster verwies zugleich darauf, dass ein Zusammengehen wirtschaftlich Sinn ergeben könne. Tesla habe, was SpaceX bisher fehle: die Möglichkeit, Künstliche Intelligenz über Fahrzeuge und Roboter mit der realen Welt interagieren zu lassen, argumentierte Munster im Wirtschaftssender CNBC. Deswegen gehe er von einer Zustimmung der Aktionäre aus. "Es wäre in jeder Hinsicht das einzigartigste Unternehmen der Welt."
Tesla und SpaceX kooperieren bereits bei der gewaltigen Chipfabrik Terafab, die Musk in den USA bauen will. Bisher wird dafür erst noch das Grundstück freigemacht. Ein weiteres Produkt der Zusammenarbeit sind Kaltgas-Raketendüsen von SpaceX zumindest auf einigen Varianten eines neuen Tesla-Sportwagens, der laut Musk 2028 in die Produktion gehen soll.
Zwei Starship-Starts pro Woche?
Musk machte in der Videokonferenz wie so oft weitreichende Versprechen. So sagte er, dass die große SpaceX-Rakete Starship, die bisher erst 14 Mal testweise flog, gegen Ende kommenden Jahres zweimal pro Woche starten solle. Vor drei Monaten hatte er allerdings noch von täglichen Starts gesprochen. Auch kündigte Musk an, dass die Zahl der Starlink-Satelliten binnen drei Jahren auf 100.000 steigen werde. Nach jüngsten Angaben waren es etwas mehr als 10.000.
Schwarze Zahlen nach langer Durststrecke
Im vergangenen Quartal verbuchte SpaceX nach langer Durststrecke einen Milliardengewinn. Auslöser waren vor allem kräftige Zuwächse im Geschäft mit Internet aus dem All sowie mit KI-Rechenzentren.
Unterm Strich verbuchte SpaceX schwarze Zahlen von 4,4 Milliarden Dollar (3,9 Mrd Euro). Im dritten Quartal des Vorjahres hatte es noch einen Verlust von gut einer Milliarde Dollar gegeben. Der Umsatz sprang von rund 5,58 Milliarden Dollar vor einem Jahr auf 14,58 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit rund 12,7 Milliarden Dollar gerechnet.
Beim Internet aus dem All mit dem Satelliten-Dienst Starlink stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 69 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Zum Stichtag 30. September kam Starlink auf 13,6 Millionen Kunden. Der Dienst ist unter anderem in 3.800 Flugzeugen verfügbar.
Die KI-Erlöse schossen von 813 Millionen Dollar vor einem Jahr auf 7,56 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal hoch. Musks KI-Firma, die nun SpaceXSI heißt, baute große Rechenzentren auf, die inzwischen zum Teil für Milliarden-Gebühren an KI-Rivalen wie Anthropic und Google vermietet werden. Die KI-Sparte warf einen operativen Gewinn von 431 Millionen Dollar ab - nach roten Zahlen von 1,7 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.
Der Umsatz im Geschäft mit Raketenstarts legte im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 1,77 Milliarden Dollar zu.
Auf und Ab für Aktie
SpaceX war Mitte Juni mit einem Rekorderlös von 75 Milliarden Dollar an die Börse gegangen. Mit dem Ausgabepreis von 135 Dollar gab sich Musks Unternehmen zum Debüt eine Bewertung von fast 1,8 Billionen Dollar. Das stand in krassem Kontrast zum aktuellen Geschäft - aber SpaceX rechtfertigte die Bewertung mit großen Plänen bei Künstlicher Intelligenz.
In den ersten Wochen nach dem Börsengang stieg der Kurs - angetrieben unter anderem vom Interesse von Privatanlegern - bis auf gut 225 Dollar. Danach rutschte die Aktie zwischenzeitlich unter den Ausgabepreis. Im vorbörslichen Handel gewann der Kurs am Mittwoch neun Prozent. In dessen Sog legten auch deutsche, europäische und asiatische Tech-Aktien etwas zu./so/DP/nas
Quelle: dpa-AFX
Bezeichnung |
WKN Börse |
Kurs Währung |
± ±% |
Kurs vom |
| TESLA INC. DL -,001 |
A1CX3T Xetra |
338,4500 EUR |
+5,80 +1,74% |
21.10.26 12:03:06 |
| SPACE EXPL.TECHS. CL.A |
A42D4F Xetra |
143,2800 EUR |
+12,96 +9,94% |
21.10.26 12:03:24 |
| ALPHABET INC.CL.C DL-,001 |
A14Y6H Xetra |
299,6500 EUR |
-1,05 -0,35% |
21.10.26 11:39:14 |