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Ökonomen-Stimmen zum Anstieg der Inflation in Deutschland

31.08.2026 - 14:50:21
FRANKFURT (dpa-AFX) - Hohe Energiepreise treiben die Teuerung in Deutschland erneut bis knapp unter die Drei-Prozent-Marke. Wie schon im April erreichte die Inflationsrate im August 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen am Montag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einer etwas höheren Jahresrate von 3,0 Prozent gerechnet, nachdem sie im Monat zuvor 2,8 Prozent betragen hatte. Stärker gestiegen sind die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft zuletzt im Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent.

Einschätzungen von Bank-Ökonomen im Überblick:

Jens-Oliver Niklasch, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg:

"Kraftstoffe werden teurer, weil die Lage in Nahost angespannt bleibt und weil die Raffineriekapazitäten durch weitere Störfaktoren eingeschränkt sind. Die schlechte Nachricht ist, dass eine schnelle Entspannung nicht in Sicht ist, sodass die Inflation im Herbst abermals über 3 Prozent klettern könnte. Die gute Nachricht ist: Höhere Inflationsraten setzen sich bis dato nicht in der Breite des Preisgefüges fest. Die Kernrate blieb unverändert bei 2,4 Prozent, wobei sich der Preisdruck im Dienstleistungssektor sogar etwas entspannt hat. Die gemäßigte Entwicklung der Kerninflation dürfte die EZB nicht davon abhalten, ihre Leitzinsen am 10. September zum zweiten Mal in diesem Jahr zu erhöhen. Ob darüber hinaus weitere Zinsschritte nötig sind, dürfte derweil vor allem davon abhängen, ob die hohen Preise im Energiesektor doch noch sichtbare Streueffekte erzeugen."

Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank:

"Auch in den kommenden Monaten wird die Inflationsrate stark von der Entwicklung der Energiepreise und damit von dem weiteren Verlauf des Konflikts im Mittleren Osten abhängen. Wir gehen davon aus, dass es keine weitere Eskalation am Persischen Golf geben wird und in der Folge die Energiepreise eher etwas fallen dürften. Allerdings werden die Preise wegen der anhaltenden Unsicherheit deutlich über dem Niveau von vor dem Iran-Krieg liegen. Damit würden die Energiekosten der Unternehmen dauerhaft steigen, und sie werden versuchen, diese höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Wegen dieser indirekten Effekte der höheren Energiepreise dürfte die Kernteuerungsrate im kommenden Jahr sogar eher etwas höher sein als derzeit."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank:

"In den kommenden Monaten werden die direkten preistreibenden Effekte des Ölpreisanstieges an Einfluss verlieren. Stattdessen könnten aber indirekte Effekte stärker zu Buche schlagen. Wenn Unternehmen beginnen, ihre höheren Energiepreise auf ihre Produkte umzulegen, wird sich dies in der Kerninflationsrate bemerkbar machen. Damit rechnet auch die EZB. Und gerade deshalb werden die europäischen Währungshüter vorbeugend ihren Leitzins vermutlich im September um 25 Basispunkte anheben."

Michael Herzum, Leiter Economics und Macro Strategy Union Investment

"Die Inflation bleibt mit 2,9 Prozent im August erhöht, läuft aber nicht aus dem Ruder. Ein weiterer Preisschub ist ausgeblieben, obwohl die Energiepreise leicht gestiegen sind. Der Inflationsgipfel ist nun erreicht - solange kein neuer Energieschock folgt. Der Rückgang der Teuerung wird allerdings zäh. Höhere Kosten stecken weiterhin in Teilen des Warenkorbs, vor allem bei Nahrungsmitteln und Gütern mit hohen Transportkosten.

Bei der Europäischen Zentralbank spricht vieles für eine letzte Zinserhöhung im September. Das dürfte dann aber erstmal gewesen sein. Weitere Schritte wären schwerer zu begründen, da es für eine breite Verfestigung des Preisdrucks bislang keine überzeugenden Hinweise gibt. Für Verbraucher und Unternehmen sind dies gute Nachrichten. Die Kaufkraft verbessert sich mit sinkenden Inflationsraten allmählich, und die Planbarkeit für Unternehmen nimmt zu."

/jsl/jkr/stk


Quelle: dpa-AFX
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