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Deutsche Börse-News: Anleihen: Anhaltende Ausverkaufsstimmung

02.10.2026 - 13:35:54
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Fehlende Entspannungssignale aus Nahost, Inflationssorgen sowie immer höhere Aufschläge für Sorgenkandidaten wie Frankreich - die Nervosität an den Anleihemärkten ist extrem hoch. Renditen liegen teils auf dem höchsten Stand seit 2008 oder sogar 1998.

2. Oktober 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Von Entspannung am Anleihemarkt kann keine Rede sein. "Der Ausverkauf am weltweiten Staatsanleihemarkt weitet sich aus", berichtet LBBW-Analyst Martin Siegert. "Es geht drunter und drüber", kommentiert Metzler-Analyst Leon Ferdinand Bost mit Blick auf die Renditen französischer Staatsanleihen nach Bekanntgabe der Haushaltspläne. Am Markt spricht man schon von "Bondpokalypse" - einem massiven, weltweiten Ausverkauf am Anleihemarkt, mit rasantem Renditeanstieg. 

Die höheren Renditen sind ein globales Phänomen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist diese Woche in der Spitze bis auf 3,65 Prozent gestiegen, am Freitagmorgen sind es immer noch 3,48 Prozent - weiter der höchste Stand seit 2008. In Großbritannien erreichten die Renditen dreißigjährige Anleihen sogar den höchsten Stand seit 1998. In den USA bleibt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen klar über der Fünf-Prozent-Marke, am Freitagmorgen sind es 5,25 Prozent. 

Sorgen um USA und Frankreich

"Hinter all dem stehen nicht nur Sorgen um die Inflation, sondern auch um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen", erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. So entsprächen die Schulden der US-Bundesregierung mehr als 100 Prozent des BIP. "Die US-Schuldenquote ist damit bereits ähnlich hoch wie am Ende des Zweiten Weltkriegs", stellt er fest. Sorgenkind der Eurozone ist Frankreich. Der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen ist auf Niveaus gestiegen wie zuletzt in der Euro-Schuldenkrise 2012. "Gründe sind hohe Staatsschulden, politische Blockaden und Zweifel an der Haushaltskonsolidierung", bemerkt LBBW-Analyst Siegert.

Angesichts der Inflationsentwicklungen werden sowohl für den Euroraum als auch die USA derzeit drei weitere Zinserhöhungen eingepreist. Bezüglich der USA schaut am heutigen Freitag alles auf den um 14.30 Uhr unserer Zeit anstehenden aktuellen US-Arbeitsmarktbericht - in der Hoffnung auf Signale zum Zustand der US-Wirtschaft und damit mögliche weitere Zinsanhebungen. 

Alternative polnische Staatsanleihen

Wie extrem die Bewegung ist, zeigt die bis 2031 laufende US-Staatsanleihe, die bei der Steubing AG rege gehandelt wird, wie Tim Oechsner meldet. Diese wurde 2021 emittiert mit einem Kupon von 1,25 Prozent, beim aktuellen Kurs liegt die Rendite bei knapp 5 Prozent (US91282CCS89). Laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sind polnische Staatsanleihen in Zloty beliebt, konkret die bis 2034 laufenden mit aktuell 5,88 Prozent Rendite (PL0000116851).  

Unternehmens-Bonds: "Kaufseite überwiegt klar"

Auch die Kurse von Unternehmensanleihen sind teils deutlich gesunken. "Die Kaufseite überwiegt klar", stellt Daniel fest. Einen eindeutigen Trend kann er aber nicht ausmachen "Das geht kreuz und quer". Er meldet Käufe für Bonds von BMW mit Fälligkeit 2031 und aktueller Rendite von 4,08 Prozent (XS3075490188) sowie DHL 2032 und 3,85 Prozent (XS3084418907). Außerdem gesucht: die im Juli emittierte Anleihe von TenneT mit Laufzeit bis 2046 und aktueller Rendite von 5,04 Prozent (XS3433864355). Auch ausländische Währungen blieben gefragt, neben Zloty auch türkische Lira, australische Dollar und US-Dollar. Ein Beispiel: die bis 2046 laufende US-Dollar-Amazon-Anleihe, die aktuell mit 6,53 Prozent rentiert (US023135DG82). 

Steubing-Händler Oechsner sieht gute Umsätze für Bonds von DHL (XS2784415718), Deutsche Telekom (XS1382791975), Hochtief (DE000A383EL9) und EnBW (XS2579293536). Ebenfalls umsatzstark: Euro-Anleihen von Nestlé (XS2717310945) sowie Toyota (XS3511196753). 

Wenig Neuemissionen - "Marktbedingungen schwer einzuschätzen"

Bei den Neuemissionen geht es derzeit ruhig zu. "Viele Emittenten halten sich mit dem Gang an den Primärmarkt zurück, weil die Marktbedingungen momentan nur schwer einzuschätzen sind", berichtet Oechsner. Wer aktuell unbedingt an den Markt müsse, benötige eine entsprechend attraktive Emissionsprämie. "Wer dagegen keinen unmittelbaren Finanzierungsbedarf hat, kann durchaus abwarten."

Von Anna-Maria Borse, 2. Oktober 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)


Quelle: dpa-AFX
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