APA ots news: OeNB: Haushalte schließen wieder mehr Kredite ab und setzen auf Fixzinsen
Entwicklungen bei Zinssätzen, Krediten, Einlagen und
Wohnimmobilien
Wien (APA-ots) - Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte im Jahr 2025
die
Leitzinssätze in vier Schritten um einen Prozentpunkt. Das führte vor
allem bei variabel verzinsten Krediten zu niedrigeren Zinssätzen.
Dennoch setzten österreichische Haushalte weiterhin auf Sicherheit
und nahmen fast ausschließlich fixverzinste Wohnbaukredite neu auf.
Die günstigeren Finanzierungskosten führten zu deutlich mehr
Abschlüssen bei Wohnbaukrediten. Die niedrigeren Einlagenzinssätze
wirkten sich ebenfalls auf das Sparverhalten der Haushalte aus:
Während Spareinlagen an Beliebtheit verloren, investierten private
Haushalte verstärkt in Wertpapiere.
"Sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte gingen die
Kreditzinssätze für neue Kredite im Jahr 2025 zurück", erläuterte
Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der Oesterreichischen
Nationalbank (OeNB), die Auswirkungen der EZB-Leitzinssenkungen im
Jahr 2025 zu Beginn der Pressekonferenz. Für neue Wohnbaukredite ging
der Zinssatz für variable Kredite um knapp einen Prozentpunkt von
4,14 % (Ende 2024) auf 3,21 % (Ende 2025) spürbar zurück, während
Fixzinssätze hingegen 2025 praktisch unverändert bei etwa 3,42 % (
2024: 3,43 %) blieben. "Variable Kredite wurden somit wieder
günstiger als jene mit Zinsbindung. Trotzdem schlossen
österreichische Haushalte fast ausschließlich neue Wohnbaukredite mit
Fixzinssatz ab und setzten dabei auf Sicherheit", so Stiftinger.
Im Jahr 2025 wurden mit einem Volumen von insgesamt 17 Mrd EUR
deutlich mehr neue Wohnbaukredite vergeben als im Jahr zuvor (11 Mrd
EUR). Die Österreicher:innen setzten dabei auf Sicherheit: Fast neun
von zehn (86 %) neuen Wohnbaukrediten wiesen eine Fixverzinsung auf.
Insgesamt hatten österreichische Haushalte Ende 2025 188 Mrd EUR an
ausstehenden Bankkrediten, wovon mehr als die Hälfte (58 %)
fixverzinst waren. Für ihre Wohnbaukredite zahlten die
Österreicher:innen im Jahr 2025 mit rund 3,6 Mrd EUR deutlich weniger
an Zinsen als im Jahr 2024 (4,2 Mrd EUR). Vor allem
Kreditnehmer:innen mit bereits bestehenden, variablen Wohnbaukrediten
wurden durch die sinkenden Zinssätze wieder spürbar entlastet. Sie
zahlten im Jahr 2025 pro 100.000 EUR Kreditschuld insgesamt rund
3.450 EUR an Kreditzinsen. Das war spürbar weniger als im Vorjahr (
4.690 EUR), jedoch weiterhin deutlich mehr als vor der Zinswende (
2022: 1.460 EUR).
Bei neuen Unternehmenskrediten war zu erkennen, dass mehr
Investitionskredite mit einer Laufzeit von über fünf Jahren
abgeschlossen wurden. Ein knappes Drittel (15 Mrd EUR) der 2025 neu
vergebenen Kredite an Unternehmen ging dabei an Firmen im
Immobiliensegment.
Zwtl.: Einlagezinsen sanken deutlich - Haushalte änderten ihr
Sparverhalten
Die Zinssätze auf Spareinlagen von Haushalten sanken 2025
ebenfalls. Für neue Festgeld-Einlagen lukrierten österreichische
Haushalte Ende 2025 noch 1,62 % und damit deutlich weniger als ein
Jahr zuvor (2,43 %). Täglich fällige Einlagen auf Sparkonten waren
Ende 2025 in Österreich mit durchschnittlich 0,69 % verzinst. "Ein
Marktvergleich lohnt sich jedenfalls, da sich die Konditionen
mitunter stark unterscheiden", so Regina Fuchs, Direktorin der OeNB-
Hauptabteilung Statistik, und verwies auf die Transparenzplattform
auf der OeNB-Website. Die gesunkenen Sparzinsen führten 2025 zu einem
veränderten Sparverhalten. Während private Haushalte 2023 und 2024
ihr Volumen auf Sparkonten noch um insgesamt 37 Mrd EUR erhöhten,
investierten sie 2025 kaum mehr in neue Spareinlagen (+2 Mrd EUR) und
hielten wieder vermehrt Geldbestände auf ihren Girokonten (+8 Mrd EUR
). Veranlagungen in Wertpapiere rückten im Jahr 2025 stark in den
Fokus. Private Haushalte veranlagten zusätzlich rund 7 Mrd EUR in
Investmentfonds und 6 Mrd EUR in Schuldverschreibungen. Generell
spielte das Thema Nachhaltigkeit für inländischen Investor:innen in
den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle, was sich im
sukzessive erhöhten Bestand an nachhaltigen Anleihen (ESG-Bonds)
widerspiegelt.
Zwtl.: Mehr Transparenz mit dem OeNB - Wohnimmobilien-Dashboard
"Der Immobilienmarkt ist eng mit dem Thema Finanzmarktstabilität
verwoben, eine der Kernaufgaben der OeNB. Mit unserem neuen Dashboard
schaffen wir einen transparenten, leicht zugänglichen Überblick über
entscheidende Informationen zum Thema Wohnimmobilien - von
Preisentwicklungen über Baukosten bis hin zu durchschnittlichen
Kredithöhen", erklärte OeNB-Direktor Thomas Steiner. Neue
Preisindizes zeigen etwa, dass seit 2012 die Preise im ländlichen
Raum wesentlich stärker als im städtischen angestiegen sind. Dabei
waren große regionale Unterschiede zu erkennen - beispielsweise sind
Preise im Burgenland doppelt so stark gestiegen wie in
Oberösterreich.
Statistik-Angebot der OeNB:
https://www.oenb.at/Statistik.html
Immobilien-Hub:
https://oenb.shinyapps.io/wohnimmobilien_dashboard/
Transparenzplattform für Spareinlagenzinsen:
https://www.oenb.at/Statistik/sparzinsen-oesterreich.html
Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Pressesprecherin
Mag.a Marlies Schroeder, MiM
Telefon: (+43-1) 404 20-6900
E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at
Website: https://www.oenb.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom
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Quelle: dpa-AFX