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ROUNDUP 3: Kampf gegen Feuer in Belgien - Weiter Bangen auch in NRW

17.08.2026 - 15:09:28
(Neu: mit aktuellen Entwicklungen)

MONSCHAU/HÜRTGENWALD (dpa-AFX) - Ein leichtes Aufatmen nach Tagen und Nächten des Bangens und der kräftezehrenden Brandbekämpfung: Das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Belgien ist nicht weiter auf die deutsche Grenze vorgerückt. Dazu helfen mäßiger Regen und ausbleibender Wind den Einsatzkräften zumindest ein wenig. Feuerwehr-Einsatzleiter Philipp Krüger sagte in Monschau, die Nacht sei sehr ruhig verlaufen. Man habe die Situation "etwas entschärfen" können.

Eine Sprecherin der grenznahen Eifelstadt sagte auf Anfrage, die rund 30 Menschen, die aus dem Ortsteil Kalterherberg am Sonntagabend wegen Rauchbelastung evakuiert worden waren, könnten aktuell nicht zurück in ihre Häuser. Die Evakuierung werde noch aufrechterhalten. "Es kann noch keiner zurück, aber es ist auch keine weitere Evakuierung geplant."

Einzigartiges Hochmoor Hohes Venn und Touristenmagnet Monschau

Mit rund 3.000 Hektar Fläche handelt es sich um einen der größten Waldbrände in der Geschichte Belgiens - ausgerechnet im Hohen Venn, das als einzigartige Hochmoor- und Sumpflandschaft gilt. Die Bekämpfung sei besonders schwierig, wie der belgische Feuerwehrkommandant Luc Burette im niederländischen Fernsehen erläuterte. "Der Boden besteht aus Torf, an der Oberfläche ist Gras. Dadurch kann sich das Feuer schnell ausbreiten."

Belgiens König Philippe verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von den verheerenden Bränden im Naturschutzgebiet.

Der Brand war zuletzt auf 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt. Daher waren im Monschauer-Ortsteil Kalterherberg die Bereiche Ruitzhof und Geisberg mit 30 Bewohnern geräumt worden. Die Eifelstadt ist ein Touristenhotspot mit vielen Fachwerkhäusern, wird auch von ausländischen Gästen geschätzt. Die Lage entspannte sich dort am Montag etwas, das Bangen ging aber weiter. Rund 200 bis 250 Kräfte waren laut Feuerwehr im Einsatz.

Kritik und Forderungen kommen aus der Politik und an die Politik

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte eine bessere Unterstützung der Feuerwehr. "Grundsätzlich geht es darum, die Arbeit der Feuerwehr natürlich bestmöglich finanziell und personell auszustatten", sagte die Politikerin im Deutschlandfunk. Dazu gehöre eine gute Technologie wie etwa Drohnen zur Branderkennung.

Gebraucht werde auch eine stärkere Koordination: "Wir schlagen eine nationale Feuermanagementstrategie vor, die Risikoanalyse, Prävention und dann eben auch Einsatzvorbereitung mit zusammen denkt", sagte Dröge. Außerdem müssten die Wälder so umgebaut werden, dass es mehr Mischwälder gebe.

NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen betonte im WDR : "Wir befassen uns nachhaltig mit dem Waldumbau, um da auch wirklich mehr Bäume im Wald zu haben, die nicht so schnell Feuer fangen und die auch an das Klima besser angepasst sind." Sobald die aktuellen Großbrände gelöscht und wieder etwas Ruhe eingekehrt sei, werde man prüfen müssen, was man vorbeugend verbessern könne. Zu 99 Prozent seien Waldbrände "menschengemacht."

Aus Sicht der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft muss die Waldbrandbekämpfung angesichts der Klimaveränderungen dauerhaft einen höheren Stellenwert bekommen. Es gebe Verbesserungsbedarf in vielen Punkten, ein Gesamtkonzept sei nötig, mahnte die Gewerkschaft. Dazu gehörten bedarfsgerechte Ausstattung, verbindliche Waldbrandmodule, verpflichtende Aus- und Fortbildung oder auch geeignete Schutzausrüstung.

Im Hürtgenwald ist die Lage unter Kontrolle

Im Hürtgenwald in der Eifel, wo Ende vergangener Woche der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens entstanden war, stehen die Zeichen weiter auf Entspannung. "Die Lage im Hürtgenwald ist weiter unter Kontrolle", sagte eine Sprecherin des Kreises Düren. "Nach wie vor gibt es aber zahlreiche Glutnester."

Etwa 400 Einsatzkräfte seien in der Nacht im Hürtgenwald vor Ort gewesen. Tagsüber würden es voraussichtlich wieder doppelt so viele. Der Regen sei leider nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte die Sprecherin. "Aber wir nehmen alles, was wir kriegen können."

Das Wetter und der Klimawandel

Infolge des Klimawandels haben die Tage mit hoher Waldbrandgefahr in den vergangenen Jahrzehnten laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zugenommen. Die Zahl der Tage mit Gefahrenstufe vier - hohe Gefahr - sei vor allem über die letzten zwei bis drei Jahrzehnte hinweg deutlich gestiegen, schilderte der DWD-Agrarmeteorologe Andreas Brömser. Zu den Ursachen gehören hohe Temperaturen mit höherer Verdunstung, längere Trockenheit und weniger anhaltender, moderater Regen, der dann auch tiefer, nachhaltig in die Böden einsickern könne.

Experte Brömser sagte, der auch für die nächsten Tage vorhergesagte eher moderate Regen dort könnte zumindest ausreichen, um die Waldbrandgefahr zunächst zu senken. Denn die Streuschicht auf den Böden sei mit der mäßigen Nässe erst mal nicht mehr "zündfähig". Das löse aber nicht das Problem der extrem trockenen Böden, denen zum Teil bis in größeren Tiefen das Wasser fehle. Es brauche viel mehr Niederschlag, damit die Böden richtig durchfeuchten können und gegen Waldbrände besser gewappnet werden./wa/DP/mis


Quelle: dpa-AFX
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