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dpa-AFX: WOCHENAUSBLICK: Skeptische Anleger hoffen auf gute Konjunkturdaten

15.03.2019 - 17:55:31
FRANKFURT (dpa-AFX) - Der globale Handelsstreit verkommt zur Hängepartie und
auch die Brexit-Verhandlungen gehen in die nächste Runde. Am Dienstag soll
nochmals über Theresa Mays mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelten
Austrittsvertrag abgestimmt werden. Sollte es hier nicht zu einer überraschenden
Zustimmung kommen, dürfte der Fokus der Finanzmärkte wieder auf den
weltwirtschaftlichen Perspektiven liegen, schrieb Robert Greil, Chefstratege der
Privatbank Merck Finck.

Ein ungeregelter, "harter" Brexit wird laut Experten immer wahrscheinlicher. Sollte das britische Parlament den Austrittsvertrag auch im dritten Anlauf
ablehnen, muss es im Nachgang bis zum EU-Gipfel am Donnerstag einen
Verlängerungsantrag stellen. Eine Verschiebung über den 30. Juni hinaus ist nach
Einschätzung des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, unwahrscheinlich,
da die Mehrheit des EU-Parlaments eine Teilnahme der Briten an den Europawahlen
ablehnt. Wichtig sei ein baldiges Handelsabkommen, das den gegenwärtig
bestehenden Freihandel zumindest für Güter weitgehend bewahren wird, sagte
Krämer.

Insgesamt betrachtet sieht Analyst Frank Klumpp von der Landesbank
Baden-Württemberg (LBBW) für die Aktienmärkte nur noch wenig Potenzial. Nach den
dynamischen ersten beiden Handelsmonaten gehe dem deutschen Leitindex Dax
etwas die Puste aus - die Grundhaltung der Investoren sei trotz
der kräftigen Erholung seit Jahresbeginn nach wie vor von Skepsis geprägt.

Ob diese Vorsicht berechtigt ist, könnten in der neuen Woche frische
Konjunkturdaten aus den USA zeigen - auch weil sich das für Ende März geplante
Treffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi
Jinping auf frühestens April verschieben wird. Ein baldiges Ende des
Handelsstreits ist somit vorerst nicht in Sicht.

Am Dienstag werden Zahlen zum Auftragseingang für die Industrie im Januar
erwartet, bevor am Mittwoch US-Notenbankchef Jerome Powell Neuigkeiten zur
Geldpolitik bekanntgibt.

Die Fed wird ihren Leitzins voraussichtlich unverändert lassen. Weitere
Zinserhöhungen seien derzeit nicht geplant. Commerzbank-Analyst Bernd
Weidensteiner sagte: "Der Zins verliert seinen letzten Freund. Am Markt werden
sogar bereits Zinssenkungen diskutiert." Die US-Wirtschaft habe sich
zweifelsohne abgeschwächt, dies sei aber auch allgemein erwartet worden, so der
Volkswirt. Gegen eine Rezession spräche der hohe Absatz von schweren Lkw. Dieser
sei ein guter Konjunkturindikator, da Güter nun mal zum Kunden transportiert
werden müssten.

Am Donnerstag folgen der Philly-Fed-Index, ein wichtiger Indikator auf die
Wirtschaftsentwicklung in der Region um Philadelpha, sowie die Frühindikatoren
für Februar.

Auch für Deutschland und Europa werden diese Woche Indikatoren zum
Verbrauchervertrauen, zur Konjunktur und zum verarbeitenden Gewerbe bekannt, die
Bewegung in den Markt bringen könnten. LBBW-Analyst Frank Klumpp sagte: "Die
sich eintrübende Weltkonjunktur ist in Deutschland besonders spürbar, was sich
in der sich verschlechternden Stimmung im verarbeitenden Gewerbe ablesen lässt."
Vor diesem Hintergrund habe er zuletzt die Konjunkturprognosen erneut nach unten
angepasst, bislang jedoch erwartet Klumpp noch keine Rezession.

Davon abgesehen beginnt die Woche hierzulande mit einigen Änderungen. So
gibt es zwar keine Wechsel im Dax, der MDax der mittleren Werte
aber listet zwei neue Werte: Der Autozulieferer Knorr-Bremse und
der Halbleiter-Hersteller Dialog Semiconductor sind nun mit
dabei, während der Auto-Zulieferer Schaeffler und der
Stahlhersteller Salzgitter ab sofort nur noch im SDax
zu finden sind. Zu den zwei Abgängen hinzu gesellen sich im Index
der Nebenwerte vier weitere neue Unternehmen.

Mit ihren Quartals- und Jahresbilanzen sind in der neuen Woche zudem einige
Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe an der Reihe. So öffnen am
Dienstag der Flughafenbetreiber Fraport und der Betreiber von
Waschanlagen Washtec ihre Bücher. Am Mittwoch folgt der
Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich . Recht dicht gedrängt ist
die Agenda dann am Donnerstag, bevor unter anderem Salzgitter die Woche
beschließt./hosbr/la/fba

--- Von Philip Brändlein, dpa-AFX ---

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