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dpa-AFX: ROUNDUP: 'Gorch-Fock'-Werft will Insolvenzantrag stellen

20.02.2019 - 13:40:50
ELSFLETH (dpa-AFX) - Die durch die Sanierung der "Gorch Fock" in die
Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG will einen
Insolvenzantrag stellen. Ziel sei ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung,
sagte der neue Vorstandschef Axel Birk am Mittwoch bei der Abfahrt von der Werft
zum Amtsgericht Nordenham. "Wir werden es versuchen." Zuvor war die Belegschaft
über die Lage informiert worden.

Die Kosten für die Sanierung des Dreimast-Seglers sind über die Jahre in die Höhe geschnellt. Ursprünglich waren 10 Millionen Euro vorgesehen, dann wurde auf
75 Millionen Euro erhöht, inzwischen ist der Kostenansatz auf bis zu 135
Millionen Euro gestiegen. Bis zum 2. Januar 2019 seien rund 69 Millionen Euro
ausgegeben worden, schreibt die Bundesregierung. Offen ist zunächst, welche
Auswirkungen das Insolvenzverfahren für die "Gorch Fock" haben wird.

Unternehmen, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs
sehen, können bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen.
Das ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt einer Abwicklung auf die
Sanierung eines Unternehmens zielt.

Wichtigster Unterschied: Die Geschäftsleitung bleibt dann im Amt, ihr wird
allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte
Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das
Unternehmen. Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen
von Gläubigern geschützt.

Die Werft in der Wesermarsch macht rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit
Aufträgen von der Marine. Der "Gorch Fock"-Sanierung ist derzeit der wichtigste
Auftrag. Allein in der über 100 Jahre alten Traditionswerft geht es um rund 130
Arbeitsplätze.

Zwei Staatsanwaltschaften - Hamburg und Osnabrück - sind mit Ermittlungen
beschäftigt. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen einen Ex-Vorstand, um den
sich die Ermittler in Hamburg kümmern, zudem um einen Korruptionsverdacht, der
in die Zuständigkeit von Osnabrück fällt. Ende Januar wurde der alte
Werft-Vorstand ab- und ein neuer eingesetzt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der
Werft ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Birk.

Planungsfehler der Marine, Kritik des Rechnungshofs, der Korruptionsverdacht und die Absetzung der Werftleitung machen die Sanierung der "Gorch Fock" zu
einem Problem für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sagte
kürzlich bei einem Besuch der Werft, die neue Leitung brauche Zeit zur
Einarbeitung, um dann Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen.

Das Thema "Gorch Fock" sollte an diesem Mittwoch auch auf der Tagesordnung
der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung stehen./opi/DP/jha
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