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dpa-AFX: ROUNDUP 2: Neuer Thyssenkrupp-Chef drückt aufs Tempo - Spaltung rückt näher

12.02.2019 - 12:13:42
ESSEN (dpa-AFX) - Gut ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt des neuen
Thyssenkrupp -Chefs Guido Kerkhoff rückt die Aufspaltung des
Ruhrkonzerns in greifbare Nähe. Die Geschäftsergebnisse des jüngsten Quartals
sind durchwachsen. Die Teilung in zwei selbstständige Unternehmen werde faktisch
bereits zum 1. Oktober dieses Jahres vollzogen sein, kündigte Kerkhoff am
Dienstag in Essen an. Der geplanten Trennung des Unternehmens in ein Werkstoff-
und ein Industriegüterunternehmen müsse die Hauptversammlung des Konzerns jedoch
Anfang 2020 noch zustimmen.

"Wir sind längst auf dem Weg", so Kerkhoff, der mit der Teilung auch eine
Vereinfachung der Unternehmensstrukturen und einen auf nur noch drei Köpfe
verkleinerten Vorstand anstrebt. Bereits mit Beginn der Sommerferien in
Nordrhein-Westfalen Mitte Juli solle jeder der mehr als 160 000
Thyssenkrupp-Mitarbeiter wissen, wie sein künftiger Arbeitsplatz aussieht.

Auf betriebsbedingte Kündigungen werde das Unternehmen dabei verzichten,
versicherte Kerkhoff. Es sei jedoch geplant, die Kosten weiter zu reduzieren.
Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 will Thyssenkrupp die Verwaltungskosten für beide
Unternehmen auf unter 300 Millionen Euro senken - von derzeit rund 380
Millionen.

Nach der nun erfolgten Vorstellung der neuen Strukturen sollen noch im
Frühjahr die Namen der Vorstände bekannt werden, bevor es im Mai dann um die
Eckdaten der Finanzstrukturen und der neuen Strategie gehen wird.

Der langjährige Thyssenkrupp-Finanzchef Kerkhoff hatte im vergangenen Sommer die Leitung des in die Krise geratenen Ruhrkonzerns übernommen. Zuvor war sein
Vorgänger Heinrich Hiesinger überraschend zurückgetreten, nachdem ihn
Finanzinvestoren stark unter Druck gesetzt hatten. Im Frühherbst legte Kerkhoff
dann den Plan zur Aufspaltung des Konzerns vor und und versprach, das
Unternehmen mit dem radikalen Umbau aus der Krise zu holen.

Dabei startete der Konzern durchwachsen in das erste Quartal des laufenden
Geschäftsjahres 2018/19 (zum 30. September). Während Umsatz und Auftragseingang
zulegen konnten, zeigte sich Kerkhoff mit den Ergebnissen jedoch nicht
zufrieden. "Herausragende Ergebnisse" seien nicht erzielt worden, räumte er ein.
In den ersten drei Monaten hatte der Stahl- und Industriekonzern im operativen
Geschäft weniger verdient. Sinkende Gewinne in den Industriegeschäften wie
Komponenten, Aufzüge oder Anlagenbau waren der Grund dafür. Das bereinigte
operative Ergebnis (Ebit) sank im fortgeführten Geschäft um mehr als ein Drittel
auf 168 Millionen Euro.

In dem Ergebnis nicht mehr enthalten ist das Ergebnis der vor der Fusion mit dem europäischen Geschäft von Tata Stell stehenden Stahlsparte. Dieses ging
ebenfalls zurück. Grund waren eine schwächere Nachfrage in der
Automobilindustrie sowie Produktionsunterbrechungen durch das Niedrigwasser des
Rheins. Beim Nettoergebnis legte Thyssenkrupp konzernweit hingegen zu. Der
Gewinn stieg um knapp 70 Prozent auf 136 Millionen Euro. Dabei hatte die
US-Steuereform den Gewinn im vergangenen Jahr belastet.

Marktexperten äußerten sich ernüchtert. Das Stahlgeschäft in Europa spüre
weiteren Gegenwind, was auf Konzernebene den Barmittelzufluss bremse, urteilte
etwa Seth Rosenfeld vom Analysehaus Jefferies. Die Aktie gehörte daher am Mittag
zu den wenigen Verlierern im Dax und gab 2 Prozent ab. Thyssenkrupp warnte auch
vor zunehmenden konjunkturellen und politischen Unsicherheiten. Der Grundtenor
des Ausblicks klinge nun vorsichtiger und spiegele die gestiegenen Risiken im
Geschäftsumfeld wider, schrieb Analyst Eugene King von Goldman Sachs.

Insgesamt hatte Thyssenkrupp seine Ziele bestätigt. Im fortgeführten
Geschäft erwartet der Konzern für das bereinigte Ebit 2018/19 (per 30.
September) einen Anstieg von 706 Millionen (auf vergleichbarer Basis) auf mehr
als 1 Milliarde Euro. Der Jahresüberschuss soll deutlich über den 60 Millionen
Euro aus dem Vorjahr liegen.

Kerkhoff zeigte sich des Weiteren zuversichtlich, das geplante
Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata trotz erwarteter Einwände der
EU-Kommission noch im Frühjahr abschließen zu können. Dass das Vorhaben
voraussichtlich nicht ohne Auflagen durchgewinkt werde, sei keine Überraschung,
sagte Kerkhoff./nas/uta/DP/nas

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