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dpa-AFX: ROUNDUP: Thomas Cook stolpert mit Milliardenverlust in Rabattschlacht-Sommer

16.05.2019 - 11:05:04
LONDON (dpa-AFX) - Das Brexit-Chaos und eine Preisschlacht bei den
Sommerreisen setzen den Touristikkonzern Thomas Cook heftig unter
Druck. Das laufende Geschäft bringe 2019 wohl noch weniger Gewinn ein als im
vergangenen Jahr, räumte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser am Donnerstag in
London ein. Im Winter musste der Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen sogar
einen Milliardenverlust verkraften. Fankhauser kann sich nun freuen, dass ihm
die Lufthansa und andere Interessenten die Fluggesellschaften wie
die deutsche Condor abkaufen wollen. Denn Thomas Cook braucht das Geld dringend.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten negativ aufgenommen. Der Kurs der
Thomas-Cook-Aktie sackte am Morgen um fast ein Viertel in den Keller. Zuletzt
lag sie noch mit 17,22 Prozent im Minus bei 19,03 britischen Pence. Seit Mai
2018 hat das Papier fast 90 Prozent verloren. An der Börse ist Thomas Cook
umgerechnet gerade noch rund 340 Millionen Euro wert. Sein größter Rivale Tui
, dessen Aktie seither ebenfalls heftig gebeutelt wurde, kommt auf
rund 5,5 Milliarden Euro.

Thomas-Cook-Chef Fankhauser bereitete Kunden und Aktionäre auf eine
Rabattschlacht vor. "Für die Kunden gibt es diesmal großartige Deals, für sie
wird der Sommer zum Paradies", sagte der Manager. Doch was den Urlaubern
schmecken dürfte, ist für das Unternehmen und seine Anteilseigner gar nicht gut.
Hatte das Management bisher gehofft, den operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) im
Sommerhalbjahr zumindest stabil zu halten, so ist es damit nun vorbei.

Wie viel schlechter das Ergebnis 2019 ausfällt, wagte Fankhauser am
Donnerstag nicht vorauszusagen. Doch schon im Sommer 2018 hatte eine
Preisschlacht bei Last-Minute-Reisen dem Unternehmen seine Gewinnpläne
verhagelt. Diesmal dürften zusätzlich höhere Kosten für Hotels und Kerosin aufs
Ergebnis drücken, schätzt der Manager.

Unterdessen scheint die Hängepartie um den EU-Austritt Großbritanniens viele Briten von der Urlaubsplanung abzuhalten. Es gebe wenig Zweifel daran, dass
viele Menschen in dem Land ihre Reisebuchungen vorerst auf Eis gelegt hätten,
sagte Fankhauser. Aber auch in allen anderen Märkten, in denen Thomas Cook
Reisen verkauft, seien das Buchungsverhalten der Kunden unsicher. Nach der
langen Hitzewelle im vergangenen Sommer hätten im Winter weniger Menschen Reisen
ins Warme gebucht.

Die schwierige Lage vor allem in Großbritannien trieb das Management nun
auch zu einem teuren Einschnitt in der Bilanz. Wegen der trüben
Geschäftsaussichten in Großbritannien strich der Konzern den Wert mehrerer
britischer Veranstaltermarken um mehr als eine Milliarde Pfund zusammen.

Für das Winterhalbjahr bis Ende März stand bei Thomas Cook daher ein
Nettoverlust von knapp 1,5 Milliarden britischen Pfund zu Buche. Ein Jahr zuvor
hatte das saisontypische Minus nur 255 Millionen Pfund betragen. Die von der
Abschreibung betroffenen Marken hatte Thomas Cook vor rund zwölf Jahren im Zuge
der Fusion mit dem Veranstalter MyTravel übernommen.

Rettendes Geld erhofft sich Thomas Cook jetzt von dem Verkauf seiner
Fluggesellschaften. "Wir wollen die Überprüfung des Airline-Geschäfts zu einem
guten Abschluss führen, um die Liquidität des Konzerns zu verbessern", sagte
Fankhauser. Mehrere Interessenten hätten Gebote für die gesamte Airline-Gruppe
sowie Teile davon abgegeben. Namen von Interessenten nannte der Manager nicht.

Die Lufthansa hatte jedoch jüngst schon erklärt, dass sie ein
unverbindliches Gebot für Condor abgegeben habe. Dabei hat Europas größte
Fluggesellschaft vor allem das Langstreckengeschäft des Ferienfliegers im Auge,
der früher bereits einmal zum Kranich-Konzern gehört hatte. Lufthansa-Chef
Carsten Spohr schloss auch eine Offerte für die gesamten Thomas-Cook-Airlines
nicht aus.

Thomas Cook hatte seine Ferienfluggesellschaften Anfang Februar zum Verkauf
gestellt. Das Management will die Offerten nun prüfen. Um auf jeden Fall über
den nächsten Winter zu kommen, hat sich der Reisekonzern bei Banken bereits eine
Kreditlinie über 300 Millionen Pfund gesichert. "Wir haben die Rückendeckung
unserer Banken, und das war uns wichtig."

Das Geld aus dem Airline-Verkauf will Fankhauser nutzen, um noch mehr in
eigene Hotels und neue Technologien zur Reisevermarktung zu investieren. Bei
diesen Zielen folgt er teilweise dem weltgrößten Reisekonzern Tui. Dieser will
seine Fluggesellschaften auch nach den Erfahrungen mit der Pleite von Air Berlin
allerdings behalten.

Tui-Chef Fritz Joussen hatte Spekulationen über ein mögliches Interesse an
den Thomas-Cook-Airlines zu zerstreuen versucht. "Wir investieren unser Geld
dort, wo es unserer Strategie dient." Diese ziele etwa auf eigene Hotels, das
Kreuzfahrtgeschäft und Technologie. Tui plane aber eher keine großen
Zukäufe./stw/nas/jha/

Bezeichnung
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THOMAS COOK GROUP EO-,01 A0MR3W
Frankfurt
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-2,55%
23.08.19
19:00:29
LUFTHANSA AG VNA O.N. 823212
Frankfurt
13,300
EUR
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23.08.19
19:52:02
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