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dpa-AFX: ROUNDUP 3: Deutsche Bank kündigt 'Einschnitte' an - Denkzettel für Achleitner

23.05.2019 - 19:53:14
(neu: Abstimmungsergebnisse Achleitner und Sewing)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Christian Sewing will die Deutsche Bank radikal entrümpeln. Der Aktienkurs ist im Keller, die Dividende dürftig, das
Image des größten deutschen Geldhauses nach etlichen Skandalen beschädigt. Damit
soll endlich Schluss sein, verspricht der Konzernchef am Donnerstag den
Aktionären, die bei der Hauptversammlung in Frankfurt nicht mit Kritik sparen.

Ein Jahr nach dem ersten Sparprogramm kündigt der seit April 2018 amtierende Sewing weitere Kürzungen an: "Wir sind zu harten Einschnitten bereit." Im Fokus
dabei vor allem: das zuletzt verlustreiche Kapitalmarktgeschäft.

"Wir werden die Transformation beschleunigen - indem wir unsere Bank
konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für
unsere Kunden besonders relevant sind", betont Sewing. "Wir haben immer noch zu
hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen
können."

Auch der Aufsichtsrat verspricht mehr Geschwindigkeit - erst recht nach der
Absage einer Fusion mit der Commerzbank . "Wir müssen noch
schneller und radikaler umbauen", fordert der langjährige Aufsichtsratschef Paul
Achleitner.

Nach langer Debatte verpassen die Aktionäre Achleitner am Abend dann einen
Denkzettel: Nur 71,63 Prozent des vertretenen Grundkapitals stimmen für die
Entlastung Achleitners für das abgelaufene Geschäftsjahr. Vor einem Jahr hatte
er noch 84,40 Prozent Zustimmung bekommen. Sewing wird mit vergleichsweise
geringen 75,23 Prozent Zustimmung entlastet. Üblich sind Quoten von mehr als 90
Prozent. Eine Nichtentlastung hätte allerdings keine direkten Konsequenzen.

Sewing sei der richtige Mann für diese Aufgabe, sagt zuvor Achleitner. Unter seiner Führung habe der Vorstand 2018 alle Ziele erreicht: die Kosten sanken,
die Zahl der Vollzeitstellen schrumpfte um fast 6000 auf 91 700, der
Kapitalpuffer für Krisenzeiten blieb über der Zielmarke von 13 Prozent.
Achleitners Bilanz: "Trotz aller Schwierigkeiten: Ich sehe, dass wir auf dem
richtigen Weg sind."

Viele Anteilseigner bezweifeln, dass Achleitner noch der richtige Mann an
der Aufsichtsratsspitze ist und fordern den Rücktritt des Österreichers. Doch
Achleitner sieht für einen Rückzug keinen Anlass. Natürlich habe er in den
vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht, räumt der Chefkontrolleur ein. "Bin
ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich bin ich das nicht." Er habe daher
auch nicht vor, die Mitarbeiter der Bank, Investoren und Kunden "im Stich zu
lassen". Achleitners Vertrag läuft noch drei Jahre.

Sewing ist bereits der vierte Vorstandschef in der Ära Achleitner, der sich
um eine Trendwende müht. Im vergangenen Jahr gab es immerhin den ersten
Jahresgewinn seit 2014. Doch das erste Quartal 2019 zeigte, wie angespannt die
Lage nach wie vor ist: Die Deutsche Bank verdiente nur 201 Millionen Euro,
während die US-Konkurrenz Milliardengewinne einfuhr. Ausgerechnet am Tag der
Hauptversammlung sackte der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie auf ein Rekordtief von
6,35 Euro ab.

Immer mehr zur Bürde entwickelte sich das Investmentbanking, das vor der
Finanzkrise mit Milliardengewinnen glänzte - aber auch etliche Prozesse und
Strafzahlungen in Milliardenhöhe auslöste. Nach Sewings Vorstellung soll die
Investmentbank künftig nur noch solche Geschäfte machen, die mindestens entweder
ausreichend profitabel oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche
wichtig sind. So will die Deutsche Bank zugleich ihr Kapital werthaltiger
einsetzen.

Als positive Beispiele nennt der ehemalige Privatkundenchef Sewing die
Beratung von Unternehmenskunden, die Ausgabe von Wertpapieren, die
Währungsplattform, den Handel mit Unternehmensanleihen sowie die gewerbliche
Immobilienfinanzierung in den USA. Bei anderen Bereichen werde das Management
"sehr genau analysieren und dabei künftig genauso diszipliniert und
kompromisslos sein wie beim Thema Kosten". Auch die Computersysteme der Bank
kommen auf den Prüfstand.

Die Anpassung der Investmentbank-Strategie sei überfällig, meint Alexandra
Annecke von der Fondsgesellschaft Union Investment: "Den Luxus einer
Investmentbank in der heutigen breiten Aufstellung kann sich die Deutsche Bank
nicht länger leisten."

Sewing betont: "Unsere Deutsche Bank braucht eine klarere Ausrichtung
- eine Bank, die voll auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet und
gleichzeitig weniger schwankungsanfällig ist." Im Privat- und
Firmenkundengeschäft, wo die Integration der Postbank in vollem Gange ist, sieht
der Manager noch viel Potenzial. Allerdings sei die Sparte in puncto
Profitabilität "besser unterwegs, als uns viele zugestehen", stellt Sewing fest.

Die Idee, aus Deutscher Bank und Commerzbank eine schlagkräftigere Einheit
zu schaffen, hatten beide Institute angesichts der Risiken eines solchen
Großprojekts Ende April beerdigt. Achleitners Antwort darauf: "Nun, wenn wir
nicht durch einen Zusammenschluss wachsen, dann werden wir es organisch tun -
national und international."

Immer wieder muss sich die Deutsche-Bank-Führung jedoch auch mit Problemen
herumschlagen, die sie eigentlich schon erledigt glaubte. Im November
beispielsweise sorgte eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den
Frankfurter Zwillingstürmen im Zusammenhang mit den "Panama Papers" weltweit für
Schlagzeilen.

In den USA interessieren sich die Demokraten dafür, welche Geschäfte die
Bank mit US-Präsident Donald Trump gemacht hat. Trump würde dies gerne geheim
halten. Ein Bezirksgericht in New York wies am Mittwoch (Ortszeit) jedoch die
Bemühungen Trumps und seiner Familie ab, die Herausgabe von Bankunterlagen an
den US-Kongress zu unterbinden. Erst am Montag hatte ein Gericht in einem
ähnlichen Fall gegen Trump entschieden. Trumps Anwälte können jeweils noch
Berufung einlegen./ben/stw/DP/he

Bezeichnung
WKN
Börse
Kurs
Währung
±
±%
Kurs
vom
Deutsche Bank AG 514000
NYSE
7,210
USD
-0,13
-1,77%
23.05.19
21:06:57
COMMERZBANK AG CBK100
Xetra
6,789
EUR
-0,32
-4,47%
23.05.19
17:35:23
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