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dpa-AFX: WDH/GESAMT-ROUNDUP: EZB steuert auf noch lockere Geldpolitik zu

18.06.2019 - 16:00:02
(Überflüssiges Wort in der Überschrift gestrichen.)

SINTRA/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert wegen einer sich verschärfenden Konjunkturflaute auf eine weitere Lockerung ihrer
Geldpolitik zu. Sollte sich der Wirtschaftsausblick nicht verbessern und die
Inflation im Euroraum nicht anziehen, werde eine zusätzliche Lockerung der
Geldpolitik erforderlich sein, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Dienstag bei
der jährlichen Notenbankkonferenz der EZB im portugiesischen Sintra. Die
Aussagen lösten heftige Kursbewegungen an den Finanzmärkten aus und riefen
US-Präsident Donald Trump auf den Plan.

Zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe seien denkbar, sagte
Draghi. Sie gehörten zum Instrumentenkasten der EZB. "Wir werden alle
Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen",
versicherte der Notenbankpräsident. "In den kommenden Wochen wird der EZB-Rat
überlegen, wie unsere Instrumente entsprechend der Schwere des Risikos für die
Preisstabilität angepasst werden können", hieß es weiter.

"Nach den Äußerungen Draghis erwarten wir, dass die EZB vermutlich schon auf ihrer nächsten Sitzung am 25. Juli eine Senkung des Einlagezinses von minus 0,4
auf minus 0,5 Prozent beschließt", kommentierte EZB-Fachmann Michael Schubert
von der Commerzbank. Der Einlagezins ist eine Art Gebühr für Geld, dass
Geschäftsbanken bei der EZB parken. Mit neuen Käufen von Staatsanleihen rechnet
Schubert hingegen nur, falls die wirtschaftliche Entwicklung deutlich schlechter
als bisher erwartet ausfallen sollte.

Mit seinen Aussagen löste Draghi heftige Kursreaktionen an den Finanzmärkten aus. Im Handel mit europäischen Staatsanleihen kam es zu einem regelrechten
Einbruch der Zinsen. Mit dem allgemein starke Rückgang rutschten die Renditen
für zehnjährige Staatsanleihen aus Frankreich und aus Österreich erstmals in den
negativen Bereich. Zehnjährige Bundesanleihen rauschten zeitgleich noch tiefer
in die Negativzone und erreichten ein neues Rekordtief bei minus 0,33 Prozent.

Auch bei Staatsanleihen aus südlichen Ländern der Eurozone kam es zu einem
massiven Rückgang der Renditen. Besonders stark fiel der Marktzins für
Griechenanleihen mit 0,22 Prozentpunkte auf 2,47 Prozent und für zehnjährige
Italien-Anleihen mit 0,21 Prozentpunkte auf 2,09 Prozent.

Die Signale der EZB für eine lockere Geldpolitik beflügelten die
Aktienmärkte und setzte den Euro unter Druck. Zeitweise rutschte der Kurs der
Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,12 US-Dollar. Eine Entwicklung, die
US-Präsident Donald Trump mit einer scharfen Kritik an die Adresse von
EZB-Präsident Draghi auf dem Plan rief.

"Mario Draghi hat gerade angekündigt, dass weiterer Stimuli kommen könnte,
was den Euro gegenüber dem Dollar sofort fallen ließ", schrieb Trump am Dienstag
auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dies mache es "ihnen" - vermutlich den
Euroländern - zu Unrecht leichter, gegen die USA im Wettbewerb anzutreten.
"Damit kommen sie seit Jahren durch, zusammen mit China und anderen",
kritisierte Trump weiter.

Trump hat sich zuvor mehrfach mit zum Teil herber Kritik in Richtung der
US-Notenbank Fed zu Wort gemeldet. Er fordert vehement eine Zinssenkung in den
USA, damit der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft gestützt wird. Dagegen
hat er sich gegenüber Zentralbanken anderer Länder bisher eher zurückgehalten.

Die Signale der EZB für eine mögliche Lockerung ihrer Geldpolitik folgten
nach einer Reihe von negativen Stimmungsdaten aus der Eurozone. Zuletzt sorgten
Konjunkturerwartungen von Finanzexperten für eine herbe Enttäuschung. Der
Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) brach im Juni
um 19,0 Punkte auf minus 21,1 Zähler ein, wie aus Daten vom Dienstag hervorging.
Es war der zweite Rückgang in Folge. Der Konjunkturindikator rutschte auf den
tiefsten Stand seit einem halben Jahr.

Als Ursache für den Stimmungseinbruch unter Finanzprofis nannte ZEW-Chef
Achim Wambach die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China.
Außerdem habe das gestiegene Risiko eines militärischen Konflikts im Nahen Osten
und die höhere Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens
aus der EU den Ausblick für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft
belastet./jkr/jsl/fba
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